Seit der Energiekrise 2022 sind die Preise auf dem Energiemarkt wieder stabiler geworden. Die Schlagzeilen sind leiser, die ganz große Unsicherheit scheint erstmal vorbei. Gleichzeitig hören wir immer wieder Fragen wie: Bleibt das so? Wird Strom wieder günstiger? Ist unsere Gasversorgung gesichert? Oder kommt bald die nächste Überraschung?
In den nächsten Minuten wollen wir das einordnen: Nicht mit einer Glaskugel, nicht mit konkreten Preisversprechen, sondern mit einem realistischen Blick auf die Faktoren, die Strom- und Gaspreise 2026 beeinflussen werden. Und am Ende schauen wir darauf, was das konkret für Unternehmen bedeutet.
Vorab noch ein kurzer Hinweis: Wir sprechen heute über Marktmechanismen und Szenarien – nicht über konkrete Preisprognosen.
Wenn wir auf die letzten Jahre schauen, haben wir Corona und die Energiekrise hinter uns gelassen und uns auf einem gewissen Niveau eingependelt.
Strom und Gas werden oft in einem Atemzug genannt. Wie unterschiedlich sind die Märkte heute?
Wenn wir heute auf die Energiemärkte schauen, merkt man schnell: Strom und Gas werden zwar oft gemeinsam genannt, funktionieren aber mittlerweile grundsätzlich unterschiedlich.
Beim Strom hat sich seit den Krisenjahren viel getan. 2026 profitieren die Verbraucherinnen und Verbraucher vor allem davon, dass der Bund die Netzentgelte massiv bezuschusst. Dadurch sinken die Kosten spürbar – allerdings regional unterschiedlich.
Der Strommarkt bleibt insgesamt sehr dynamisch. Erneuerbare Energien sorgen für starke Preisschwankungen. Maßnahmen wie Redispatch oder Netzengpassmanagement nehmen weiter zu. Das bedeutet vereinfacht: Erzeugungsanlagen werden gezielt abgeregelt, weil die Einspeisung stark schwankt und Netze punktuell überlastet sein können.
Der Gasmarkt hat sich nach der Krise stabilisiert. Viele Versorger senken 2026 ihre Preise deutlich – im Durchschnitt um rund neun Prozent, auch wenn die Einsparungen regional unterschiedlich ausfallen können.
Gas hängt weiterhin stark an geopolitischen Einflüssen und der Importlage, schwankt im Tagesgeschäft aber deutlich weniger als Strom.
Beide Märkte sind heute auseinandergewachsen: Strom ist volatiler, komplexer und stark vom Ausbau der Netze und erneuerbaren Energien geprägt. Gas ist ruhiger geworden, bleibt aber ein internationaler Rohstoffmarkt.
Gemeinsam ist beiden eines: Nach den turbulenten Jahren haben sich die Märkte wieder stabilisiert – aber auf ganz unterschiedlichen Wegen.
Also gleiche Überschrift „Energie“, aber zwei sehr unterschiedliche Welten. Wenn ich dich richtig verstehe, ist Strom heute eher ein technischer, stark regulierter und wetterabhängiger Markt und Gas eher ein globaler Rohstoffmarkt mit geopolitischen Komponenten.
Genau. Strom bleibt der komplizierte, stark schwankende Markt, der immer mehr Netz und Steuerung braucht und nur dank staatlicher Zuschüsse gerade etwas günstiger wirkt. Gas hat sich normalisiert: Preise sinken und die Versorgung ist grundsätzlich stabil. Beide Märkte haben sich beruhigt, funktionieren heute aber grundverschieden.
Okay: Strom bleibt komplex und schwankungsanfällig, Gas wirkt ruhiger, aber internationaler getrieben. Dann lass uns die Märkte genauer anschauen – vor allem die Preistreiber. Wir starten mit Gas: Was beeinflusst die Gaspreise 2026 aktuell am stärksten?
Der Gasmarkt ist deutlich entspannter als noch vor wenigen Jahren und aktuell sind die größten Preistreiber:
- Erstens: Import- und geopolitische Lage – das ist der Hauptfaktor. Früher waren wir stark abhängig von russischem Gas. Mit der Energiekrise ist diese Quelle versiegt. Deutschland hat die Versorgung diversifiziert: stärker über Flüssigerdgas (LNG) und über europäische Partnerstaaten. Aktuell kommt mehr Gas aus den USA, weniger aus Russland.
Die Bundesnetzagentur betont, dass die Gasversorgung 2025 stabil war – das dämpft die Preisentwicklung. Trotzdem bleibt die Abhängigkeit von globalen Lieferketten ein Risiko, denn LNG ist ein Weltmarkt. Wenn Asien eine höhere Gasnachfrage entwickelt oder in den USA eine Kältewelle herrscht, wirkt sich das auch auf europäische Preise aus. - Geopolitik spielt ebenfalls eine große Rolle: Konflikte, Lieferkettenprobleme oder verschärfte Sanktionen können Angebot und Nachfrage schnell verändern. Der Gasmarkt reagiert typischerweise sofort – stärker als auf nationale Politik.
- Zweitens: Speicherfüllstände und Wintertemperaturen. Hohe Speicherstände wirken preisdämpfend, weil sie Versorgungssicherheit signalisieren. Für 2025/26 meldet die Bundesnetzagentur zwar eine stabile Versorgung und Speichersituation. Trotzdem sehen wir die Möglichkeit, dass die Versorgung in diesem Winter zwar sicher, aber knapp sein kann.
- Wetterprognosen sind kurzfristige Preistreiber: Kalte Winter bedeuten eine höhere Nachfrage, milde Winter drücken die Preise, weil weniger Gas verbraucht wird und Speicher langsamer geleert werden. Die Kombination aus Speicherfüllstand und Temperaturprognosen ist deshalb einer der wichtigsten kurzfristigen Einflussfaktoren.
- Drittens: regionale Preisstrategien der Versorger. Preissenkungen fallen je nach Region unterschiedlich aus – unter anderem wegen unterschiedlicher Netzentgeltentwicklungen. Ein wichtiger Faktor ist auch die Beschaffungsstrategie: Viele Versorger beschaffen Gas über langfristige Verträge. Je nachdem, zu welchen Konditionen eingekauft wurde und wie schnell Preisänderungen an Kundinnen und Kunden weitergegeben werden, entstehen regionale Unterschiede – trotz identischer Großmarktlage.
Unterm Strich: Gas ist 2026 weniger volatil als Strom und bleibt preislich stabil mit deutlichen Tendenzen nach unten.
Dann machen wir direkt weiter mit Strom: Was sind hier die größten Preistreiber 2026 oder was könnten die größten Preistreiber sein?
Der Strommarkt 2026 wird vor allem durch Netzkosten, die volatile Einspeisung aus erneuerbaren Energien und steigende Systemdienstleistungskosten geprägt. Dazu kommen Großhandelsentwicklungen, regionale Tarifunterschiede und langfristig CO2-Kosten.
Strom wird zunehmend durch Infrastruktur, Wetter und Regulierung geprägt. Ich gehe die Punkte kurz durch:
- Erstens: Netzentgelte und Netzausbau. Das ist ein starker Inlandspreistreiber. Für 2026 bezuschusst der Bund die Übertragungsnetzbetreiber mit rund 6,5 Milliarden Euro. Dadurch sinken die Netzentgelte rechnerisch um etwa 15 Prozent. Das entlastet Haushalte und Unternehmen spürbar – aber nur auf Zeit. Strukturell bleibt der Netzausbau sehr teuer.
Netzentgelte machen rund ein Viertel der Stromrechnung aus und werden langfristig eher steigen, weil erneuerbare Energien weiter ausgebaut werden, der Bedarf an Übertragungs- und Verteilernetzen wächst und die Betriebskosten steigen. - Zweitens: erneuerbare Einspeisung und Wetterabhängigkeit. 2025 hatten wir eine rekordhohe PV-Einspeisung und damit auch eine starke Preisvolatilität. Viel Sonne bedeutet fallende Preise, wenig Sonne bedeutet steigende Preise. Das ist eine Herausforderung und wird langfristig hoffentlich durch Speicher geglättet.
- Drittens: Systemdienstleistungen. Dazu gehören Regelenergie, Redispatch und Netzengpasskosten. 2025 sind Volumen und Kosten deutlich gestiegen. Diese Kosten werden über Netzentgelte und Tarife vollständig auf Kundinnen und Kunden umgelegt und sind damit ein direkter Preistreiber.
- Viertens: Beschaffungspreise und Terminmarkt. Die Beschaffungsstrategie hat einen sehr großen Einfluss auf Strom- und Gaspreise. Man kann viel richtig oder falsch machen. Die Strompreise sind zuletzt gesunken, aber das muss nicht automatisch beim Endkunden ankommen. Viele Versorger geben sinkende Beschaffungspreise nicht sofort weiter – wir bei e.optimum machen das schon immer.
- Und fünftens: indirekte Preistreiber. Steigende CO2-Bepreisung verteuert fossile Stromerzeugung. Gleichzeitig steigt der Strombedarf strukturell durch E-Mobilität und Wärmepumpen. Mehr elektrifizierte Anwendungen erhöhen den Gesamtbedarf und können langfristig zu höheren Netz- und Erzeugungskosten beitragen.
Wenn wir Gas und Strom zusammen betrachten: Welche Szenarien sind realistisch für 2026 und wo liegen die Risiken?
Zunächst: Die Ausgangslage hat sich bei beiden Märkten nach Corona, Energiekrise und geopolitischen Schocks stabilisiert.
Beim Gas sehe ich ein Basisszenario und ein Risikoszenario.
- Basisszenario: leichte bis moderate Preissenkung. Die Versorgungslage ist robust, auch wenn Speicher aktuell relativ leer sind. Das wird durch LNG-Infrastruktur kompensiert. Großhandelspreise fallen leicht, Endkundinnen und -kunden werden spürbar entlastet. Der Wettbewerb nimmt zu und sorgt für zusätzlichen Preisdruck. Gas bleibt 2026 preislich entspannt mit sinkenden Tendenzen.
- Risikoszenario: geopolitische Verwerfungen. Europa hängt stark am globalen LNG-Markt. Lieferausfälle, technische Störungen, Anschläge auf Infrastruktur oder unsichere Schifffahrtsrouten können Preise kurzfristig steigen lassen. Auch extreme Kälteperioden sind ein starker Preistreiber. Stand heute spricht aber nichts für einen Preisschock – eher für mögliche saisonale Effekte.
Beim Strom ist es komplexer.
- Basisszenario: kurzfristige Entlastungen durch staatliche Eingriffe. Der Bund entlastet 2026 mit 6,5 Milliarden Euro. Dadurch sinken Bruttostrompreise leicht – aber nicht überall gleich stark. Berlin und Hamburg profitieren stärker, Bremen und Sachsen weniger. Endkundentarife bleiben regional unterschiedlich.
- Strukturelles Szenario: langfristiger Kostendruck. Netzengpassmanagement und Redispatch nehmen zu, Systemdienstleistungskosten steigen, CO2-Kosten verteuern fossile Restproduktion und der Strombedarf wächst. Diese Faktoren wirken mittelfristig preistreibend – auch wenn 2026 kurzfristig eine Entlastung ankommt.
Das wahrscheinlichste Szenario ist: 2026 erleben wir eine technische Atempause bei Strompreisen – aber keine echte strukturelle Trendwende nach unten.
Du hast vorhin auch die Rekordeinspeisung aus Photovoltaik und den Einflussfaktor Wetter angesprochen. Hast du dazu noch ein Szenario?
Sehr gerne. 2025 hatten wir eine Rekordeinspeisung aus PV. Das zeigt, wie stark unser Energiesystem vom Wetter abhängt. Mehr Sonne bedeutet niedrigere Preise am Spotmarkt. Bei wenig Wind oder Sonne steigen die Preise und Redispatch nimmt zu.
Für 2026 gilt: Der Spotmarkt bleibt sehr volatil und das wird tendenziell eher zunehmen. Je nach Tarif spüren Endkunden das mehr oder weniger. Wir bei e.optimum setzen auf eine gute Mischung aus Spot- und Terminmarkt, damit Kundinnen und Kunden preisliche Chancen nutzen können, während Risiken gedämpft bleiben.
Zusammengefasst: Beim Gas eher Entspannung mit Risikospitzen, beim Strom kurzfristige Entlastung, aber langfristig steigende Systemkosten. Du hast das sehr schön als „technische Atempause“ beschrieben.
Was bedeutet das konkret für Unternehmen, für die Energie ein großer Kosten- und Produktionsfaktor ist? Welche strategischen Implikationen ergeben sich daraus?
Energie bleibt ein strategisches Thema. Unternehmen sehen zwar temporäre Entlastung – beim Strom durch Zuschüsse, beim Gas durch die sinkenden Großhandelspreise. Aber der strukturelle Kostendruck bleibt: Netzausbau, Engpassmanagement und CO2-Kosten steigen.
Der größte Hebel zur Dämpfung des Preisanstiegs bleibt der Energieeinkauf. Beschaffung wird dadurch komplexer – nicht riskanter, aber anspruchsvoller. Dynamische Tarife und Lastmanagement werden relevanter, weil die Volatilität zunimmt. Unternehmen können durch Lastverschiebung oder flexible Tarife reale Kostenvorteile erzielen.
Energie bleibt also strategisch – nur anders als noch 2022: weniger Krisenmodus, mehr Optimierungs- und Steuerungsthema.
Zum Abschluss, wenn du all das in einer Take-Home-Message zusammenfassen müsstest – was ist die wichtigste Botschaft zur Energieversorgung 2026 für Unternehmen?
Das Jahr 2026 ist holprig gestartet: Gaspreise sind gestiegen und das hat den Strompreis am Großhandelsmarkt mit nach oben gezogen. Trotzdem bin ich für 2026 optimistisch.
Die Gasversorgungslage hat sich stark verbessert. Im zweiten Halbjahr 2026 erwarten wir weitere Entspannung durch zusätzliche Flüssiggasmengen. Das schafft Spielraum für preisliche Chancen und sollte auch den Strompreis mit nach unten ziehen.
Meine Empfehlung: Vorsichtig sein mit Festpreisen, vor allem mit langer Laufzeit. Besser sind Modelle wie unseres, bei denen man Chancen vom Spotmarkt mit Preissicherheit aus dem Terminmarkt kombiniert. Ein strategischer Mix aus Termin- und Spotmarkt bietet mittel- und langfristig die besten Chancen auf faire und marktgerechte Energiepreise.
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