Heute beschäftigen wir uns mit einer Krise, die die Welt momentan in Atem hält: der angespannten Lage im Nahen Osten. Die aktuellen militärischen Spannungen, Angriffe und Blockaden wirken sich direkt auf die globalen Energiepreise aus.
Brent-Öl sowie Gas sind in den letzten Wochen deutlich teurer geworden, angetrieben durch den Konflikt zwischen Israel, den USA und dem Iran sowie die blockierten Schifffahrtsrouten. Wir sprechen heute darüber, warum diese Ereignisse so massive Folgen haben, was das für eure Strom und Gaskosten bedeutet und wie ein Energieversorger wie e.optimum mit seinem Portfoliomanagement in solchen Zeiten agiert.
Die Nachrichtenlage der letzten Wochen überschlägt sich: Angriffe, Gegenschläge, verhärtete Fronten und mittendrin ist eines der wichtigsten Nadelöhre des Energiemarkts: die Straße von Hormus. Kannst du uns erklären, was gerade los ist beziehungsweise was der Kern des Problems ist?
Die Straße von Hormus ist eine Meerenge am Persischen Golf. Das Besondere: An ihrer engsten Stelle ist sie nur 33 Kilometer breit und die Fahrrinne, durch die Schiffe durchfahren können, ist sogar nur 3 Kilometer breit. Es ist also eine sehr schmale, sehr enge Passage.
Der Kern des Problems liegt darin, dass die Straße von Hormus eines der wichtigsten – oder sogar das wichtigste – Energietor der Welt ist. Länder wie Kuwait, Irak, Iran, Saudi-Arabien und Katar verschiffen ihr Öl und Gas durch diese Meerenge. Es gibt dafür nur wenige Alternativen. wenn überhaupt, dann per Pipeline und deren Kapazitäten sind sehr begrenzt. Das heißt: wenn die Schiffe nicht fahren können, entsteht ein großes Problem.
Schon allein die Drohung einer Blockade lässt Öl und Gaspreise steigen. Und aktuell ist der Verkehr sogar fast vollständig zum Erliegen gekommen. Einzelne Tanker dürfen zwar durchfahren, aber die meisten weichen aus, Reedereien stoppen Fahrten und die Märkte reagieren da nervös.
Die Lage ist in den letzten Wochen eskaliert, weil der Konflikt zwischen dem Iran, den USA und Israel massiv zugenommen hat. Nach gemeinsamen Angriffen der USA und Israel auf iranische Ziele hat Teheran mit Vergeltungsangriffen reagiert und damit auch den Schiffsverkehr durch die Meerenge quasi gestoppt. Durch dieses Nadelöhr werden rund 20% der weltweiten Ölversorgung verschifft. Entsprechend wichtig ist es für die weltweite Ölwirtschaft.
Der Iran setzt hierbei auf strategischen Druck: mit vergleichsweise einfachen militärischen Mitteln, beispielsweise Drohnen, Sprengboote oder auch mit Minen. Das sorgt für Unsicherheit und dafür, dass Schiffe die Passage meiden. Für den globalen Energiemarkt ist das hochriskant. Einige Experten sprechen sogar von der potenziell größten Unterbrechung der Ölversorgung seit den 1970er-Jahren.
Und die Folgen spüren wir direkt – sowohl private Haushalte als auch Unternehmen. Wie du gesagt hast: Ein Großteil des weltweiten Öl- und Flüssiggashandels läuft über die Straße von Hormus. Wenn dieser Engpass gestört ist, steigen die Preise sofort. Genau das haben wir die letzten Wochen gesehen. Öl ist deutlich teurer geworden und auch der LNG-Verkehr stockt, weil die Schiffe die Passage meiden. Zusätzlich musste Katar einer seiner größten LNG-Anlagen vorübergehend stoppen.
Ganz genau. Die Blockade hat einen der wichtigsten Energiekorridore der Welt lahmgelegt. Das heißt: weniger Öl auf den Weltmarkt und entsprechend steigende Preise. Beim LNG ist es ähnlich: Der Markt gerät unter Druck und das spüren nicht nur wir in Europa, sondern vor allem die asiatischen Länder, die besonders stark von Lieferungen aus dem Persischen Golf abhängig sind.
Jetzt fragen sich natürlich viele Menschen: Wir in Europa beziehen doch größtenteils Energie aus Europa. Warum steigen unsere Preise dann trotzdem?
Der Grund ist einfach: Energiepreise, beispielsweise Gas, entstehen nicht isoliert, sondern auf einem globalen Markt. Wenn ein Nadelöhr wie die Straße von Hormus blockiert wird, durch das ein Fünftel des weltweiten Öls und ein großer Teil des Flüssiggashandels läuft, dann schießen die Marktpreise weltweit nach oben. Und diese Preisbewegungen schlagen automatisch bei uns durch.
Es entsteht ein echter Preiskamp um die verbleibenden Gasmengen. Wer am meisten zahlt, bekommt die Lieferung und so schaukeln sich Preise überall hoch. In Asien sogar besonders stark, weil die meisten Öl- und Gaslieferungen aus dem Persischen Golf dorthin gehen. Die ausgefallenen Lieferungen mussten dort schnell ersetzt werden.
Europa ist zwar weniger direkt abhängig von diesen Lieferungen, aber das Weltmarktgeschehen wirkt natürlich trotzdem auf unsere Energiepreise. Wenn Öl und Gas weltweit knapper und teurer werden, steigen auch hier die Großhandelspreise – ganz egal, ob das Molekül am Ende aus Norwegen, Katar oder den USA kommt.
Das veranschaulicht sehr gut: Auch wenn physisch nicht unser Gas blockiert ist, wirken sich Krisen im Nahen Osten natürlich trotzdem auf die europäischen Energiepreise aus. Und jetzt kommt die spannende Frage: wann hat unser Portfoliomanagement denn gemerkt, dass sich da etwas zusammenbraut?
Die erste wirklich eindeutige Drohung des U.S. Präsidenten kam gegen Ende Januar. Ab diesem Zeitpunkt, spätestens aber mit der Verlegung amerikanischer Streitkräfte in die Golfregion, konnte man bereits erahnen, dass ein militärischer Konflikt bevorsteht.
Es gab auch davor schon weitere Hinweise. Mitte Juni 2025 wurden durch die USA und Israel die Atomanlagen in Fordo Natanz und Isfahan angegriffen bzw. beschossen. Und nach dem Scheitern der vorangegangenen Verhandlungen über das iranische Atomprogramm war das für die beteiligten Akteure fast schon eine logische Konsequenz.
Also kann man sagen: Die Konfliktlinie war eigentlich schon früh sichtbar – und der Konflikt hat sich Schritt für Schritt zugespitzt.
Genau. Für uns war vor allem der massive Aufbau der US-Streitkräfte das entscheidende Warnsignal. Denn warum sollte man einen solchen Aufwand betreiben und mehrere Flottenverbände in Richtung Golf verlegen? Das ging weit über ein bloßes Machtdemonstrieren hinaus.
Das war für uns der erste klare Indikator: Achtung, da braut sich etwas zusammen. Wir müssen unser Portfolio auf ein mögliches Kriegsszenario vorbereiten und unsere Absicherungen rechtzeitig erhöhen.
Und unabhängig davon wart ihr wahrscheinlich schon ohnehin vorsichtig unterwegs, nehme ich an. Der Winter war stellenweise ziemlich kühl, die Nachfrage nach Heizgas hoch, die Speicher schwach gefüllt und die Gaskraftwerke liefen wegen wenig Wind auf Hochtouren.
Ja, absolut. Genau diese Punkte waren für uns Anlass, die preislich attraktive zweite Jahreshälfte 2025 zu nutzen, um unsere Hedgingquote deutlich zu erhöhen. Wir wollten uns damit speziell gegen ein Szenario sehr leerer Gasspeicher absichern.
Glücklicherweise war der Februar 2026 dann recht mild und dadurch blieb der Speicherfüllstand stabil. Das hat den Preisdruck am Markt etwas entschärft – bis zum Beginn des Irankrieges.
Das heißt: Ihr habt nicht erst reagiert, als der Gaspreis hochgeschossen ist, sondern deutlich früher
Wir verfolgen eine klare Beschaffungsstrategie, von der wir nur innerhalb engdefinierter Grenzen abweichen dürfen. Und genau das haben wir getan, um einem bereits absehbar knapper werdenden Gasmarkt zu Beginn des Jahres 2026 vorzubeugen und die damit verbundenen Risiken zu reduzieren.
Als sich im Januar und Februar 2026 der massive Aufbau der amerikanischen Seestreitkräfte abzeichnete, erschien uns ein möglicher militärischer Konflikt zunehmend realistisch. Das lag nahe – die Entwicklung erinnerte stark an das Jahr 2022: Russische Truppen wurden damals unter dem Vorwand von Übungen an die ukrainische Grenze verlegt, mit dem bekannten Ausgang.
Ja, man erkennt identische Muster: Erst Truppenbewegungen, politischen Spannungen und am Ende eskaliert die Lage komplett. Fast wie ein Déjà-vu. Was passiert denn bei euch konkret, wenn die ersten Krisensignale auftauchen?
Unsere Kaufentscheidungen treffen wir grundsätzlich immer im Team. Das ist ein Gremium, in dem verschiedene Abteilungen sowie der Vorstand vertreten sind. Die Handlungsempfehlung kommt üblicherweise vom Portfoliomanagement, weil wir die Marktlage eng beobachten und laufend bewerten.
Wenn es jedoch richtig schnell gehen muss, verkürzen wir den Prozess und stimmen uns direkt mit dem Vorstand ab – also Portfoliomanagement und Vorstand gemeinsam. Genau das war auch zu Beginn des Irankrieges der Fall.
Weil ihr sofort reagieren musstet – besonders mit Blick auf die sensiblen Monate März und April. Da sind die Preisrisiken erfahrungsgemäß ja ohnehin besonders hoch, oder?
Ja, absolut. Wir mussten das Portfolio sehr kurzfristig auf die neue Konfliktsituation ausrichten. In solchen Momenten stellt man sich automatisch einige zentrale Fragen:
- wie schnell und wie stark ziehen die Preise an?
- wie dynamisch entwickelt sich der Konflikt?
- wie weit werden die beteiligten Parteien gehen?
- wie weit eskaliert der Konflikt insgesamt?
Der Angriff des Iran auf die Energieinfrastruktur im Persischen Golf, also in Katar, Saudi-Arabien, Kuwait usw. kam dann für vieles überraschend und hat die Unsicherheit zusätzlich verstärkt.
Und wie ging es dann bei euch konkret weiter?
Wir haben direkt nach Kriegsbeginn beherzt gehandelt, zunächst kurzfristig, um die kritischen Monate abzusichern, vor allem März und April. Kurz darauf haben wir dann auch die längeren Laufzeiten betrachtet. Das war zu diesem Zeitpunkt durchaus attraktiv: Während die kurzfristigen Produkte relativ schnell und deutlich gestiegen sind, gab es für bei längerfristigen Absicherungen noch ein Zeitfenster, in dem die Preise nur moderat anzogen, bevor sie später ebenfalls deutlich gestiegen sind.
Bei all unseren Entscheidungen folgen wir einem klaren Bewertungsrahmen:
- Welche Preisdynamik erwarten wir? Also: wie stark könnte der Preisschock ausfallen?
- Wie lange dürfte der Konflikt anhalten? Und damit auch die volatile Preisentwicklung.
- Welche Konsequenzen ergeben sich daraus für unser Portfolio? Wo müssen wir gezielt nachjustieren, um potentielle Risiken zu minimieren?
Das Gute ist: Den Großteil unserer Absicherungen haben wir bereits vor der Krise vorgenommen. Zu Kriegsbeginn und kurz danach ging es vor allem noch um kleinere Feinjustierungen.
Unterm Strich haben wir also unsere Hausaufgaben gemacht und können mit Blick auf die kommenden Monate von einem stabilen und attraktiven Preisniveau ausgehen.
Also kann man im Prinzip sagen, dass sowohl eure Methodik als auch das Beschaffungsmodell wie eine Art Sicherheitsgurt gewirkt haben.
Ja, absolut. Zum einen haben wir viele Absicherungsgeschäfte bereits weit vor der Krise getätigt. Und zum anderen sehen wir auch über die Sommermonate hinweg interessante Chancen am Spotmarkt, sozusagen dem Gegenspieler des Terminmarkts.
Der hohe Gaspreis wirkt zwar grundsätzlich preistreibend, aber gerade im Sommer spielen Gaskraftwerke nur eine begrenzte Rolle. In dieser Zeit übernimmt die Photovoltaik üblicherweise einen großen Teil der Stromerzeugung. Sie ist in Deutschland inzwischen stark ausgebaut und im Sommer sehr verlässlich. Das heißt: Die hohen Gaspreise schlagen am Spotmarkt weniger durch, als man vielleicht erwarten würde.
Und dadurch ergänzen sich eure langfristigen Terminmarktpreise und die kurzfristigen Spotmarktmengen, die du beschrieben hast, perfekt. Das führt am Ende wahrscheinlich zu einem Preisniveau, das voraussichtlich unter dem aktuellen Marktpreis liegt.
Genau. Man kann sagen: Wir fahren mit einem Fuß auf der Bremse durch eine potentiell volatile Phase. Oder vielleicht noch besser beschrieben: Wir haben uns einen Sicherheitsgurt angelegt, der uns Preisstabilität gibt ohne auf Chancen zu verzichten.
Jetzt haben wir uns einen guten Überblick über die aktuelle Lage verschafft und auch darüber, wie eure Methodik in solchen Phasen funktioniert. Wir können sicher sein, dass wir gut aufgestellt sind. Lass uns doch mal ein Szenario durchspielen: Was wäre, wenn sich die Lage über die Monate nicht verbessert?
Dann sprechen wir über eine strukturelle Krise, nicht nur über kurzfristige Preisbewegungen. Wenn der Iran weiterhin Energieinfrastruktur angreift oder die Straße von Hormus dauerhaft blockiert bleibt, hätte das massive Auswirkungen auf die globalen Öl- und LNG-Lieferketten.
Gas bliebe dann hochpreisig und sehr volatil. Das würde wiederum die Strompreise nach oben treiben, weil Gaskraftwerke oft den Preis setzen.
Was würde das für uns bedeuten?
Wir gehen dann von einem länger angespannten Markt aus. Die gute Nachricht: Wir haben uns frühzeitig abgesichert. Selbst bei einer Zuspitzung trifft uns das nicht ungebremst und Risiken können abgefedert werden.
Und wie sieht das gegenteilige Szenario aus? Was wäre, wenn ab morgen plötzlich alles vorbei wäre und die Straße wieder offen wäre?
Dann würden die Gas- und Ölpreise deutlich fallen, weil LNG-Lieferungen wieder regulär fließen könnten und Risikoprämien aus dem Markt verschwinden würden.
Es wäre aber kein vollständiger Reset: Die beschädigte Infrastruktur lässt sich nicht über Nacht reparieren und heruntergefahrene Anlagen, wie zum Beispiel die Verflüssigungsanlagen fürs Gas, benötigen Wochen, bis sie wieder voll ausgelastet laufen.
Aber: Die akute Preisspitze wäre weg und die Märkte würden sich spürbar entspannen.
Für unser Portfolio wäre das sehr gut. Wir bleiben langfristig stabil abgesichert und profitieren gleichzeitig von den niedrigen Preisen bei unserer offenen Restposition.
Jetzt haben wir uns beide möglichen Szenarien angeschaut. Was ist wirklich dein Ausblick für die nächste Zeit? Viele fragen sich ja, wie sich der Markt mittel- bis langfristig entwickeln wird.
Wenn wir auf die nächsten Jahre blicken, sehen wir ein Energiemarkt, der sich spürbar entspannt. Das weltweite LNG Angebot wächst deutlich, weil in den USA und Katar neue Kapazitäten ans Netz gehen. Dadurch wird der globale Gasmarkt wesentlich besser versorgt sein als in den Krisenjahren zuvor.
Parallel dazu sinkt in Europa der Gasbedarf: Wir werden effizienter, sparen mehr ein und nutzen zunehmend erneuerbare Energien. Mehr Angebot bei weniger Nachfrage nimmt spürbar den Druck aus dem Markt.
Gleichzeitig übernehmen Wind- und Solarenergie immer stärker die Rolle des Rückgrats im Stromsystem. Mit dem wachsenden Anteil erneuerbarer Erzeugung werden wir unabhängiger von fossilen Brennstoffen und erleben häufiger Phasen niedriger Strompreise.
Dazu kommt das Thema Speicher: In den nächsten Jahren werden viele Batterie-Speicher zugebaut, später vielleicht auch Wasserstofflösungen. Das stabilisiert das Energiesystem zusätzlich.
Auch die Elektrifizierung trägt dazu bei. Mehr Wärmepumpen, mehr E-Autos und flexible Industrieprozesse, die in günstigen Stunden laufen können. All das nutzt erneuerbare Stromüberschüsse optimal aus.
Diese Entwicklungen greifen ineinander und machen das Energiesystem insgesamt robuster. Preisrisiken sinken, die Planbarkeit steigt und extreme Preissprünge wie in der Vergangenheit werden deutlich unwahrscheinlicher.
Ich fasse zum Abschluss noch einmal kurz zusammen:
Der Konflikt in Nahost hat die weltweiten Energiemärkte hart getroffen. Das spüren wir alle. Das Portfoliomanagement von e.optimum arbeitet mit Frühwarnsystemen und hat die Krise früh erkannt. Mit einem hohen, aber flexiblen Eindeckungsgrad konnte schnell, aber kontrolliert reagiert werden. Das strukturierte Beschaffungsmodell wirkt wie ein Sicherheitsnetz gegen Preisschwankungen und egal ob lange Krise oder schnelle Entspannung – das Portfolio kann auf beide Szenarien reagieren.
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