Im Endeffekt kennen wir es doch alle: Wir fahren an die Tankstelle, schauen uns die Preise an und denken uns „schon wieder teurer geworden“.
Oder im Winter kommt die Heizkostenabrechnung rein und wir schauen uns den Preis an und denken uns „ernsthaft“. Dieses Gefühl begleitet uns inzwischen seit einigen Jahren. Energie ist längst kein Randthema mehr, sondern betrifft unseren Alltag unmittelbar.
Gleichzeitig wird in diesem Zusammenhang immer wieder über die Energiewende gesprochen. Je intensiver man sich mit dem Thema beschäftigt, desto deutlich wird, dass es sich nicht um ein kleines politisches Projekt handelt, sondern um eine tiefgreifende Entwicklung, die verändert, wie wir künftig leben, arbeiten und Energie nutzen werden.
Dabei stellt sich die Frage: Ist Deutschland bei der Energiewende noch auf Kurs?
Viele Menschen haben das Gefühl, dass Energie immer teurer wird und gleichzeitig wird auch immer im Zuge dessen mit der Energiewende argumentiert. Kannst du uns erklären, was da gerade wirklich passiert?
Das Gefühl, dass Energie immer teurer wird, ist absolut nachvollziehbar. Betrachtet man die aktuelle Situation, dann sieht man aber ein etwas differenzierteres Bild. Eine einfache Antwort gibt es nicht.
Wir befinden uns aktuell in einer Übergangsphase. Die Energiewende selbst ist kein Ziel, dass irgendwann erreicht und abgeschlossen ist, sondern ein fortlaufender Prozess.
Und momentan haben wir die Herausforderung, dass sich 2 Systeme überlagern.
Zum einen besteht unser bisheriges fossiles Energiesystem mit Kohle- und Gaskraftwerken sowie den damit verbundenen geopolitischen Abhängigkeiten und Preisschwankungen bei Rohstoffen.
Zum anderen wächst das neue System der erneuerbaren Energien, das langfristig stabilere Kostenstrukturen ermöglicht.
Beide Systeme entwickeln sich derzeit parallel. Das eine wird stark zugebaut, das andere ist vielleicht eher auf dem Rückbau.
Der Ausbau der Erneuerbaren, schreitet voran, teilweise auch sehr dynamisch. Als Beispiel: China hat im Jahr 2025 315 Gigawatt Photovoltaik zugebaut. Das ist mehr als das Dreifache der gesamten aktuell in Deutschland installierten Photovoltaikleistung. Aber auch in Deutschland wächst der Zubau an erneuerbaren Energien weiterhin sehr dynamisch.
Der Ausbau der erneuerbaren Energien schreitet also voran. Warum merken wir im Alltag davon so wenig?
Das liegt daran, dass die notwendige Systemanpassungen, dem Ausbau der erneuerbaren Energien hinterherhinkt.
Dazu gehören unter anderem der Netzausbau, der Ausbau von Stromspeichern und eine flexible Nutzung von Strom. Verbraucher sollten beispielsweise davon profitieren können, wenn sie Strom in Zeiten hoher Solar- oder Windstromproduktion nutzen und ihren Verbrauch in Zeiten geringer Erzeugung reduzieren.
Bedeutet, unser System ist noch nicht ausgelegt für die Zukunft und das muss geändert werden. Deshalb wirken derzeit beide Systeme gleichzeitig: das bestehende fossile und das erneuerbare Energiesystem.
Wir befinden uns in einer Übergangsphase, in der das alte System schrittweise durch das Neue ersetzt wird. Während dieser Zeit sind jedoch Investitionen in beide Systeme notwendig.
Wenn erneuerbare Energien günstiger sind, warum spiegelt sich das nicht auf unserer Stromrechnung wider?
Das ist eine zentrale Frage und genau der Punkt, an dem viele Menschen verständlicherweise stutzig werden.
Der Strompreis auf der Rechnung besteht nicht nur aus den eigentlichen Erzeugungskosten – also den Kosten für die Stromproduktion oder dem Börsenpreis. Hinzu kommen Netzkosten sowie Steuern, Abgaben und Umlagen. Ein erheblicher Teil des Strompreises entfällt somit auf staatliche und infrastrukturelle Kosten.
Die Erzeugungskosten, insbesondere bei den erneuerbaren Energien, sind in den vergangenen Jahren gesunken beziehungsweise stabil niedrig geblieben. Wind- und Solarstrom sind im laufenden Betrieb grundsätzlich sehr kostengünstig.
Und was treibt den Strompreis derzeit dennoch so stark nach oben?
Vor allem die Systemkosten und die Netzentgelte.
Wir bauen unser Stromsystem derzeit grundlegend um. Dafür werden neue Stromleitungen, leistungsfähigere Verteilnetze und eine intelligente Netzsteuerung benötigt. Diese Infrastruktur muss zunächst finanziert werden.
Die entsprechenden Investitionen werden über die Netzentgelte auf die Verbraucherinnen und Verbraucher umgelegt. Deshalb sind die in den letzten Jahren deutlich gestiegen.
Hinzu kommt, dass viele Energieversorger ihren Strom langfristig einkaufen, um sich gegen Preisschwankungen abzusichern. Dadurch kommen sinkende Börsenpreise häufig erst mit deutlicher Verzögerung bei den Kundinnen und Kunden an.
Bei e.optimum verfolgen wir hier einen anderen Ansatz.
Du hast gerade den langfristigen Einkauf von Strom angesprochen. Warum profitieren Verbraucherinnen und Verbraucher nicht sofort, wenn die Börsenpreise sinken?
Viele Energieversorger beschaffen ihren Strom langfristig, also mit einer gewissen Vorlaufzeit. Die kaufen also nicht ausschließlich kurzfristig am Spotmarkt ein, sondern sichern sich große Teile des Bedarfs langfristig über die Terminmärkte ab.
Das sorgt dann vermutlich für mehr Planungssicherheit, bedeutet aber auch, dass sinkende Marktpreise nicht unmittelbar an die Kundinnen und Kunden weitergegeben werden.
Genau. Die langfristige Beschaffung sorgt für eine gewisse Preisstabilität und schützt vor starken Preisspitzen. Gleichzeitig profitieren Kundinnen und Kunden dadurch jedoch nicht unmittelbar von sinkenden oder sogar negativen Börsenpreisen.
Hier unterscheidet sich unser Beschaffungsmodell.
Bei der e.optimum setzen wir auf eine strukturierte Beschaffung. Rund 50 Prozent der voraussichtlichen Absatzmenge beziehen wir am Spotmarkt und 50 Prozent mit zeitlich großem Vorlauf am Terminmarkt.
Dadurch kombinieren wir die Vorteile beider Märkte: Über den Spotmarkt können wir von günstigen oder sogar negativen Börsenpreisen profitieren, während der Terminmarkt Preisstabilität bietet.
So können wir unsere Beschaffung optimieren, flexibel auf Marktbewegungen reagieren und diese Vorteile an unsere Kundinnen und Kunden weitergeben.
Zusammengefasst bedeutet das also: Die Kombination aus steigenden Systemkosten und den unterschiedlichen Beschaffungsstrategien der Energieversorger, die nicht an die Transformation des Systems angepasst sind, führt dazu, dass viele Menschen den Eindruck haben, Energie wird immer teurer.
Genau.
Langfristig sorgt die Energiewende durch den Ausbau von Photovoltaik- und Windenergieanlagen für günstigere Erzeugungskosten. Kurzfristig wird dieser Effekt jedoch durch die Investitionen Systemumbau sowie durch bestehende Marktmechanismen überlagert.
Diese Investitionen zahlen sich langfristig aus und werden die Grundlage für ein effizienteres Energiesystem schaffen. Aber zunächst steht natürlich die hohe Investition im Raum.
Damit wird deutlich, dass nicht allein die Stromerzeugung entscheidend ist, sondern vor allem die Systemkosten, die Netzinfrastruktur und die Marktmechanismen. Daraus ergibt sich automatisch die Frage: Wie soll das Energiesystem künftig organisiert werden, damit es effizient funktioniert?
Das ist sicherlich einer der Gründe, weshalb die Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche mehrere Gesetze beziehungsweise Reformpakete angestoßen hat.
Derzeit werden auf politischer Ebene verschiedene Maßnahmen diskutiert.
Zum einen geht es darum, die Förderung für erneuerbare Energien anzupassen. Beispielsweise wird über die Abschaffung der festen Einspeisevergütung für kleine Photovoltaikanalagen gesprochen.
Ein weiterer Punkt ist, dass Anlagenbetreiber künftig mehr Verantwortung für die Vermarktung ihres erzeugten Stroms übernehmen sollen.
Außerdem sollen Netzanschlüsse künftig stärker gesteuert werden. Neue Anlagen sollen nicht mehr automatisch ans Netz angeschlossen werden, sondern abhängig von der verfügbaren Netzkapazität priorisiert werden.
Ein weiterer zentraler Punkt ist die Senkung der Systemkosten. Diskutiert wird unter anderem, Entschädigungszahlungen zu reduzieren, wenn Anlagen aufgrund von Netzengpässen zeitweise abgeschaltet werden müssen.
Das sind umfangreiche Maßnahmen. Gleichzeitig werden die Vorschläge derzeit sehr unterschiedlich bewertet.
Du hast vollkommen recht.
Befürworter, insbesondere aus Teilen der Wirtschaft, begrüßen die Pläne. Sie argumentieren, dass die Energiewende wirtschaftlicher gestaltet werden müsse und die stark steigenden Systemkosten begrenzt werden sollen. Langfristig könnte das zu stabileren Strompreisen führen.
Kritische Stimmen sehen hingegen die Gefahr, dass der Ausbau der Erneuerbaren massiv gebremst wird. Investitionen könnten unattraktiver und unsicherer werden. Im schlimmsten Fall könnten dadurch sogar die Klimaziele gefährdet werden.
Kannst du dafür ein konkretes Beispiel nennen?
Ein häufig diskutiertes Beispiel betrifft die Entschädigung im Fall von netzbedingten Abschaltungen von Wind- und Solaranlagen.
Wenn zeitweise zu viel Wind- und Sonnenstrom erzeugt wird, als das Stromnetz aufnehmen kann, müssen Anlagen teilweise zwangsabgeregelt werden. Derzeit erhalten die Betreiber für diese Strommengen dennoch eine Vergütung.
Im Mittelpunkt der Diskussion steht deshalb die Frage, wie die damit verbundenen Risiken und Kosten künftig innerhalb des Systems verteilt werden sollen.
Gleichzeitig macht dieses Beispiel deutlich, dass die Erzeugungskapazitäten in einzelnen Regionen bereits heute zeitweise höher sind als die vorhanden Netzkapazitäten. Das lokale Stromnetz ist dort schlicht noch nicht auf diese Mengen ausgelegt.
Dadurch entsteht ein klassischer Zielkonflikt:
Einerseits soll der Ausbau der erneuerbaren Energien möglichst schnell erfolgen, andererseits muss er wirtschaftlich effizient umgesetzt werden.
Ein weiterer Zielkonflikt besteht zwischen Investitionsanreizen auf der einen Seite sowie Systemstabilität und Versorgungssicherheit auf der anderen. Wir brauchen mehr erneuerbare Energien, aber gleichzeitig muss das Stromsystem so weiterentwickelt werden, dass es diese auch zuverlässig integrieren kann. Nur dann kann die Energiewende langfristig erfolgreich sein.
Ich habe kürzlich einen Artikel über unser regionales Verteilernetz gelesen. Darin wurde berichtet, dass keine weiteren Industrieunternehmen mehr ans Netz genommen werden können, weil es bereits vollständig ausgelastet ist. Das wirkt zunächst sehr alarmierend.
Dieses Problem muss zwar eingeordnet werden, das zugrunde liegende Problem ist jedoch real.
Ein solches Beispiel gibt es auch hier im Raum Offenburg. Es handelt sich nicht um einen Einzelfall, sondern um ein Symptom eines grundsätzlichen Problems: Der Ausbau der erneuerbaren Erzeugung Energien verläuft vielerorts wesentlich schneller als der Ausbau der Netze.
In unserer Region betrifft das vor allem das Übertragungsnetz. Dort fehlt derzeit die notwendige Kapazität, um zusätzliche Leistungen aufzunehmen. Genau daraus entstehen solche Situationen.
Im Prinzip bedeutet das also, dass unser Stromsystem mit der Entwicklung nicht mehr Schritt hält?
Genau. Unser Stromnetz wurde ursprünglich dafür gebaut, Strom aus wenigen großen Kraftwerken – beispielsweise Kohle- oder Kernkraftwerke – zentral zu erzeugen und zu den Verbraucherinnen und Verbrauchern zu transportieren.
Heute sieht das Energiesystem völlig anders aus. Strom wird zunehmend dezentral erzeugt – etwa durch Photovoltaikanlagen auf Hausdächern oder Windparks in ländlichen Regionen. Dadurch entsteht Strom an vielen verschiedenen Orten, für die das bestehende Stromnetz ursprünglich nicht ausgelegt wurde.
Und was bedeutet das konkret?
In manchen Regionen, insbesondere im Norden Deutschlands, wird zeitweise mehr Strom erzeugt, als vor Ort verbraucht werden kann. Gleichzeitig fehlen häufig die Leitungen, um diesen Strom in andere Regionen – beispielsweise in die Industriezentren im Süden – zu transportieren.
Das ist seit Jahren bekannt und der Ausbau der Übertragungsnetze läuft bereits. Ziel ist es, diese Stromüberschüsse künftig dorthin zu bringen, wo sie tatsächlich benötigt werden.
Kann man also sagen, dass unsere Stromnetze überlastet sind?
Man sollte hier differenzieren.
Es gibt Regionen in Deutschland, in denen Netzbetreiber aktuell keine weiteren Verbraucher oder Erzeugungsanlagen ans Netz anschließen können. So Fälle treten inzwischen häufiger auf.
Das bedeutet jedoch nicht, dass das gesamte deutsche Stromnetz an seine Grenzen stößt. Vielmehr gibt es regionale Engpässe, weil der notwendige Netzausbaus der Entwicklung hinterherhinkt.
In Baden-Württemberg investieren die Netzbetreiber bereits erhebliche Summen in den Ausbau der Infrastruktur.
Das eigentliche Problem ist heute weniger ein Mangel an Strom, sondern vielmehr, dass der Strom nicht immer dorthin gelangt, wo er benötigt wird.
Deshalb spielt das Stromnetz derzeit auch politisch eine so zentrale Rolle. Die Stromversorgung ist zu einem entscheidenden Standortfaktor geworden.
Wenn ein mittelständisches Unternehmen eine Werkserweiterung oder einen neuen Standort plant, aber keinen Netzanschluss erhält, können Investitionen und damit auch neue Arbeitsplätze ausbleiben.
Im Kern geht es deshalb darum, den Ausbau der Stromnetze und den Ausbau der erneuerbaren Erzeugung besser miteinander zu synchronisieren.
Über allem steht weiterhin das Ziel, bis 2030 einen Anteil von 80 Prozent erneuerbarer Energien am Strommix zu erreichen. Gilt das Ziel nach wie vor?
Ja eindeutig.
Dieses Ziel ist politisch weiterhin gewollt und wurde zuletzt sowohl auf Bundes- als auch auf europäischer Ebene erneut bekräftigt.
Entscheidend ist jedoch die Einordnung: Das Ziel selbst wird nicht infrage gestellt. Diskutiert wird vielmehr der Weg dorthin.
Es geht also weniger um einen Richtungswechsel als um die Frage, wie die Energiewende künftig umgesetzt werden soll.
Kannst du das noch genauer ausführen?
Im Bundeswirtschaftsministerium werden derzeit verschiedene Fragen diskutiert?
Wie schnell soll der weitere Ausbau der erneuerbaren Energie erfolgen? Wo sollen neue Anlagen zuerst entstehen – eher dort, wo die Netzinfrastruktur bereits vorhanden ist, oder auch in Regionen, in denen sie zunächst noch ausgebaut werden muss?
Und schließlich stellt sich die Frage, wie die Kosten des Gesamtsystems beherrschbar bleiben.
Diese Überlegungen haben unmittelbare Auswirkungen auf den gesetzlichen und regulatorischen Rahmen.
Die Energiewende soll nicht nur klimafreundlich sein, sondern auch wirtschaftlich tragfähig. In den vergangenen Monaten wurden hierzu verschiedene Bedenken geäußert. Deshalb halte ich es grundsätzlich für sinnvoll, einzelne Maßnahmen nachzujustieren.
Aber trotzdem, das Ziel muss bestehen bleiben. Der Ausbau bis 2030 auf 80 Prozent erneuerbare Energien bleibt weiterhin ambitioniert und notwendig.
Gleichzeitig werden Maßnahmen diskutiert, die den weiteren Ausbau gezielter, stärker gesteuert teilweise auch langsamer machen.
Wenn wir dann nach vorne schauen, was erwartet uns in den nächsten Jahren?
Kurzfristig werden wir in den nächsten zwei bis drei Jahren noch keine vollständige Entspannung erleben.
Warum? Weil wir weiter in der Übergangsphase sind, über die wir zu Beginn gesprochen haben. Erneuerbaren Energien werden weiter zugebaut, gleichzeitig hinkt der Netzausbau, der Speicherausbau und die notwendige Flexibilisierung noch hinterher.
Ein wichtiger Baustein sind dabei Smart Meter. Sie müssen flächendeckend verfügbar sein, damit Verbraucher ihren Stromverbrauch an variable Strompreise anpassen und dadurch von günstigen Preisen profitieren können.
Diese Entwicklungen benötigen jedoch noch Zeit.
Eine schnelle Entspannung ist also nicht zu erwarten.
Genau. Die regionalen Engpässe im Stromnetz werden uns zunächst weiter begleiten. Gleichzeitig sind umfangreiche Investitionen in Infrastruktur erforderlich. Diese Investitionen werden sich voraussichtlich auch weiterhin in steigenden Netzentgelten und damit auf den Rechnungen widerspiegeln.
Wie sieht die Entwicklung mittelfristig aus?
Wenn wir auf das Ende der 2020er-Jahre blicken, wird sich der Schwerpunkt verändern. Dann geht es nicht mehr nur darum, weitere Windräder und mehr PV-Anlagen zu errichten, sondern vor allem darum, das gesamte Energiesystem intelligent miteinander zu verknüpfen.
Kannst du uns das noch mal ein bisschen genauer erklären?
Der Netzausbau wird weiter beschleunigt – auch durch regulatorische Maßnahmen, die derzeit diskutiert werden. Stromspeicher werden immer wichtiger, dazu gehören Batteriespeicher ebenso wie Wasserstofftechnologien, die derzeit deutlich an Dynamik gewinnen.
Auch das Thema Flexibilität wird immer wichtiger. Industrieunternehmen, Elektrofahrzeuge und Wärmepumpen werden künftig stärker auf variable Strompreise reagieren und ihren Verbrauch entsprechend anpassen.
Kann man also sagen, dass die Stromerzeugung künftig stärker zeitabhängig wird?
Ja davon bin ich überzeugt.
Künftig wird es zunehmend sinnvoll sein, Strom dann zu verbrauchen, wenn er günstig ist und den Verbrauch zu reduzieren, wenn die Preise steigen.
Das bedeutet auch, dass Strom in Zukunft nicht mehr zu jeder Tageszeit denselben Preis haben wird. Stattdessen werden dynamische Stromtarife an Bedeutung gewinnen.
Wenn wir viel Sonne und viel Wind haben, steht günstiger Strom zur Verfügung. In Zeiten geringer Erzeugung wird Strom entsprechend teuer. Für Unternehmen, aber auch für private Haushalte, wird diese Entwicklung Schritt für Schritt an Bedeutung gewinnen.
Und wenn wir jetzt noch weiter in die Zukunft schauen?
Wenn wir weiter in die Zukunft schauen, zum Beispiel Richtung 2035, dann wird sich das Gesamtsystem deutlich stabilisieren.
Die Erzeugungskosten für Strom aus Wind und Sonne werden strukturell niedrig bleiben, da für diese Technologien keine Brennstoffe benötigt werden.
Gleichzeitig werden wir unabhängiger von Öl- und Gasimporten sowie von geopolitischen Krisen. Dadurch sinkt unsere Anfälligkeit gegenüber internationalen Entwicklungen.
Allerdings werden sich diese niedrigen Erzeugungskosten nicht unmittelbar in voller Höhe auf den Stromrechnungen bemerkbar machen. Zunächst müssen die notwendigen Investitionen in die Infrastruktur und den weiteren Systemausbau finanziert werden. Deshalb werden diese Kostenbestandteile auch in den kommenden Jahren eine wichtige Rolle spielen. Die Energiewende befindet sich derzeit in ihrer anspruchsvollsten Phase. Gerade dieser Abschnitt entscheidet jedoch darüber, wie leistungsfähig, wirtschaftlich und zuverlässig unser Energiesystem in Zukunft sein wird.
Weitere spannende Themen finden Sie hier:
eoptimum.de/news/krisenherd-nahost-folgen-fuer-energiemarkt
eoptimum.de/news/gasmarkt-krisen-und-strukturierte-beschaffung
eoptimum.de/news/energie-talk-energiepreise-2026-im-ueberblick







