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Lastspitzen

Kurz und knapp

Eine Lastspitze bezeichnet einen kurzfristig stark erhöhten Stromverbrauch, der deutlich über dem durchschnittlichen Leistungsbedarf liegt. Sie kann in Haushalten, Unternehmen oder im gesamten Stromnetz abhängig vom Verbrauchsverhalten zu unterschiedlichen Tageszeiten auftreten. Lastspitzen beeinflussen die Netzstabilität und werden im deutschen und europäischen Verbundnetz von den Übertragungsnetzbetreibern (ÜNB) prognostiziert und gesteuert. Für Unternehmen mit registrierender Leistungsmessung (RLM) wirken sich Lastspitzen über den Leistungspreis, der Bestandteil der Netzentgelte ist, unmittelbar auf die Energiekosten aus.

Inhaltsverzeichnis

Eine Lastspitze (auch Peak Load oder Leistungsspitze) bezeichnet einen kurzfristig stark erhöhten Stromverbrauch, der deutlich über dem durchschnittlichen Leistungsbedarf liegt. Solche Spitzenlasten haben Auswirkungen auf die Stromnetze, Netzentgelte und Strompreise.

Was ist eine Lastspitze?

Lastspitzen entstehen, wenn der Strombedarf innerhalb kurzer Zeit deutlich über das übliche Niveau ansteigt. Sie können in Haushalten, Unternehmen oder im gesamten Stromnetz auftreten. Typische Ursachen sind gleichzeitig laufende Maschinen und Anlagen oder mehrere energieintensive Prozesse, die parallel stattfinden.

Hohe Spitzenlasten belasten vor allem Stromnetze, Transformatoren und Erzeugungsanlagen. Netzbetreiber und Energieversorger müssen jederzeit sicherstellen, dass genügend Leistung bereitsteht, um solche Spitzen abzufangen und die Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Besonders durch den Ausbau erneuerbarer Energien gewinnt das Thema Lastmanagement an Bedeutung.

Stromverbrauch im Zeitverlauf mit regelmäßigen Lastspitzen und schwankendem Leistungsbedarf.
Stromverbrauch im Januar 2025 mit typischer Grundlast und regelmäßig auftretenden Lastspitzen. © e.optimum AG

Wie entstehen Lastspitzen im Alltag und in Unternehmen?

Leistungsspitzen entstehen, wenn mehrere energieintensive Prozesse, Geräte oder Anlagen gleichzeitig betrieben werden. Der Gesamtleistungsbedarf übersteigt dabei kurzfristig das übliche Verbrauchsniveau.

Typische Auslöser in Unternehmen und Industrie sind:

  • Gleichzeitiger Betrieb von Maschinen
  • Start von Produktionsanlagen oder Kälte-/Wärmeerzeugern
  • Kombinierter Betrieb von Ladesäulen, Klimatechnik und Fertigungslinien

Vor allem in der Industrie treten Verbrauchsspitzen vermehrt auf, da Produktionsprozesse oft synchron gestartet oder Produktionsanlagen zeitgleich hochgefahren werden.

Wann treten Lastspitzen besonders häufig auf?

Lastspitzen treten abhängig vom Verbrauchsverhalten zu unterschiedlichen Tageszeiten auf:

  • Industrie und Gewerbe: häufig tagsüber, insbesondere zur Mittagszeit oder bei Schichtbeginn
  • Haushalte: morgens und am Abend nach Feierabend
  • Saisonal: In Kältemonaten durch Heizungen und in Sommermonaten durch Kühlung erhöht

Wie wirken sich Lastspitzen auf das Stromnetz aus?

Lastspitzen beeinflussen die Netzstabilität direkt. Im europäischen Verbundnetz muss die Netzfrequenz möglichst konstant bei 50 Hertz (Hz) gehalten werden. Dafür müssen Stromerzeugung und Stromverbrauch jederzeit im Gleichgewicht sein. Steigt der Strombedarf kurzfristig stark an, erhöht sich die Belastung von Transformatoren, Leitungen und Umspannwerken. Reichen die verfügbaren Netzkapazitäten nicht aus, können Netzengpässe entstehen.

Die Prognose und Steuerung solcher Verbrauchsspitzen erfolgt im deutschen und europäischen Verbundnetz durch Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB) und Verteilernetzbetreiber (VNB). Besonders herausfordernd sind Situationen, in denen eine hohe Stromnachfrage mit einer geringen Einspeisung aus Wind- und Sonnenenergie zusammenfällt.

Welche Auswirkungen haben Lastspitzen auf den Strompreis?

Lastspitzen haben einen direkten Einfluss auf die Energiekosten eines Unternehmens. Industrieunternehmen ab 100.000 kWh werden in Deutschland in der Regel über eine registrierende Leistungsmessung (RLM) abgerechnet. Das bedeutet, dass die Leistung typischerweise in 15‑Minuten-Intervallen erfasst wird.

Entscheidend hierbei ist: Der höchste gemessene 15-Minuten-Mittelwert innerhalb eines Abrechnungsjahres bestimmt den sogenannten Leistungspreis, der Bestandteil der Netzentgelte ist. Bereits eine einzelne hohe Lastspitze kann die Netzkosten für das gesamte Jahr erhöhen, unabhängig davon, wie gleichmäßig das Unternehmen sonst Energie verbraucht.

Für Unternehmen ist demnach eine Reduzierung der Lastspitzen nicht nur eine technische, sondern auch eine wirtschaftliche Maßnahme mit direktem Einfluss auf die Energiekostenstruktur.

Was ist der Unterschied zwischen Grundlast und Spitzenlast?

Die Grundlast bezeichnet den dauerhaft konstant vorhandenen Strombedarf, der im Tagesverlauf eines Netzes oder Unternehmens benötigt wird.
Lastspitzen sind kurzfristige Überschreitungen dieses Niveaus.

Grundlast Lastspitze
Dauerhaft vorhandener Strombedarf Kurzfristig stark erhöhter Strombedarf
Relativ konstant Zeitlich begrenzt
Planbar Oft schwer vorhersehbar
Basis der Stromversorgung Zusätzliche Netzbelastung

Welche Rolle spielen Lastspitzen bei der Energiewende?

Mit dem Ausbau erneuerbarer Energien und der zunehmenden Elektrifizierung gewinnt das Management von Lastspitzen an Bedeutung. Dabei treffen zwei Entwicklungen aufeinander:

  1. Zum einen steigt der Strombedarf durch Elektromobilität, Wärmepumpen und die Elektrifizierung von Industrie und Gewerbe. Werden viele dieser Anwendungen gleichzeitig genutzt, können hohe Lastspitzen entstehen. Zum Beispiel, wenn zahlreiche Elektroautos zeitgleich geladen werden oder Wärmepumpen während einer Kälteperiode verstärkt Strom benötigen.
  2. Zum anderen schwankt die Stromerzeugung aus Wind- und Solarenergie wetterbedingt. Dadurch wird es anspruchsvoller, Stromerzeugung und Stromverbrauch jederzeit im Gleichgewicht zu halten.

Um hohe Netzlasten auszugleichen und die Netzstabilität zu unterstützen, kommen verschiedene Maßnahmen zum Einsatz. Dazu zählen Batteriespeicher, Demand Side Management (DSM), flexibler Verbrauch sowie regelbare Kraftwerke und Reservekapazitäten. Vor allem die erwähnten Technologien, die für eine höhere Nachfrage sorgen, bieten das Potenzial einer flexibleren Nutzung, beispielsweise für Ladevorgänge von Elektrofahrzeugen oder den Betrieb von Wärmepumpen.

Welche Kosten entstehen durch Lastspitzen für Unternehmen?

Für Unternehmen mit registrierender Leistungsmessung (RLM) können Lastspitzen erhebliche Mehrkosten verursachen. Netzbetreiber berechnen bei solchen Kundinnen und Kunden den sogenannten Leistungspreis, der Bestandteil der Netzentgelte ist. Je höher die Lastspitze, desto teurer wird der Netzbezug, unabhängig vom Jahresverbrauch.

Für Unternehmen bedeutet das: Leistungsspitzen zu reduzieren ist nicht nur technisch, sondern auch wirtschaftlich sinnvoll.

Wie können Lastspitzen reduziert oder kontrolliert werden?

Es bestehen verschiedene Möglichkeiten für Unternehmen oder Betriebe, um ihre Verbrauchsspitzen zu reduzieren sowie zu kontrollieren:

  • Lastverschiebung: Verlagerung von energieintensiven Prozessen in Zeiten mit geringerer Netzbelastung oder niedrigeren Spotmarktpreisen.
  • Lastmanagementsysteme: Automatisierte Steuerung von Maschinen verhindert den gleichzeitigen Anlauf und begrenzt die Spitzenlast.
  • Batteriespeicher: Kurzfristige Leistungsspitzen werden durch lokal gespeicherte Energie abgedeckt, ohne das Netz zu belasten.
  • Smart Meter: intelligente Messsysteme liefern die Datenbasis für vorausschauendes Lastmanagement. Echtzeitdaten tragen dazu bei, extreme Spitzen frühzeitig zu erkennen.
  • Variable Stromtarife: dynamische Preise schaffen wirtschaftliche Anreize, um Lastspitzen zu vermeiden.

Diese Maßnahmen reduzieren Kosten, entlasten die Netze und verbessern die Integration erneuerbarer Energiequellen.

FAQ

Können Lastspitzen zu Stromausfällen führen?
Lastspitzen führen nicht automatisch zu Stromausfällen. Sie erhöhen die Belastung von Stromnetzen, Transformatoren und Erzeugungsanlagen, was jedoch nicht zwingend zu einem Stromausfall führen muss. Wenn die Netzkapazitäten nicht ausreichen oder mehrere Belastungsfaktoren gleichzeitig auftreten, können Netzengpässe entstehen. Um die Versorgungssicherheit aufrechtzuerhalten, steuern Netzbetreiber solche Situationen durch Lastmanagement, Reservekapazitäten und Regelenergie.
Warum erhöhen Lastspitzen die Netzentgelte?
In vielen Industrie- und Gewerbebetrieben werden die Netzentgelte teilweise über einen sogenannten Leistungspreis berechnet. Dieser basiert auf der höchsten gemessenen Leistung innerhalb eines Abrechnungszeitraums. Bereits eine einzelne hohe Lastspitze kann deshalb zu höheren Netzentgelten führen, selbst wenn der restliche Stromverbrauch vergleichsweise konstant bleibt.
Wann ist der Stromverbrauch am höchsten?
In vielen Fällen ist zu beobachten, dass Lastspitzen häufig morgens und in den Abendstunden auftreten. In vielen Industrie- und Gewerbebetrieben entstehen sie vor allem zu Produktionsbeginn, wenn viele Maschinen gleichzeitig gestartet werden oder während energieintensiver Prozesse. Saisonale Spitzen treten im Winter durch Heiztechnik und im Sommer durch Kühlprozesse auf.
Wann der Stromverbrauch am höchsten ist, ist nicht pauschal zu beantworten, sondern individuell abhängig vom Verbrauch, den Prozessen und weiteren Faktoren.
Was ist der Unterschied zwischen Grundlast und Spitzenlast?
Die Grundlast bezeichnet den dauerhaft und weitgehend konstant anfallenden Strombedarf, der im Tagesverlauf eines Netzes oder Unternehmens benötigt wird. Lastspitzen sind kurzfristige deutliche Überschreitungen dieses Niveaus.
Welche Unternehmen sind besonders von Lastspitzen betroffen?
Besonders betroffen sind Unternehmen mit hohem Stromverbrauch und energieintensiven Prozessen. Dazu zählen beispielsweise Produktionsbetriebe, Logistikzentren, Rechenzentren, Kühlhäuser oder Unternehmen mit einer Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge. Hier können Lastspitzen erhebliche Auswirkungen auf die Kostenstruktur haben.
Wie werden Lastspitzen gemessen?
Lastspitzen werden über die elektrische Leistung erfasst, also darüber, wie viel Strom in einem bestimmten Zeitraum gleichzeitig benötigt wird.
Bei Unternehmen mit registrierender Leistungsmessung (RLM) erfolgt die Messung typischerweise in 15-Minuten-Intervallen. Der höchste gemessene Wert innerhalb eines Abrechnungsjahres ist häufig Grundlage für die Berechnung des Leistungspreises.

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