Abnahmestelle
Kurz und knapp
Eine Abnahmestelle bezeichnet den Ort innerhalb einer Kundenanlage, an dem Strom, Gas, Fernwärme oder Wasser aus dem öffentlichen Versorgungsnetz an die Letztvebraucherinnen und -verbraucher übergeht. Sie dient als technische und abrechnungstechnische Schnittstelle zwischen Netzbetreiber, Energielieferant und Anschlussnutzer und bildet die Grundlage für Verbrauchsmessung, Abrechnung und energiewirtschaftliche Marktprozesse.
Was ist eine Abnahmestelle?
Eine Abnahmestelle repräsentiert den Ort innerhalb einer Kundenanlage, an dem elektrische Energie, Gas, Fernwärme oder Wasser aus dem öffentlichen Versorgungsnetz an die Letztverbraucherinnen und Letztverbraucher übergeht. An dieser Stelle ist in der Regel ein geeichter Zähler installiert, der den tatsächlichen Energieverbrauch erfasst.
Die Abnahmestelle stellt damit die technische und abrechnungstechnische Schnittstelle zwischen Netzbetreiber, Energielieferant, Messstellenbetreiber und Anschlussnutzer dar. Sie ist Grundlage für die Verbrauchsmessung, die Abrechnung sowie für energiewirtschaftliche Prozesse wie Lieferantenwechsel oder Tarifmodelle.
In vielen Fällen entspricht eine Abnahmestelle genau einem Zählpunkt. Bei größeren oder komplexen Industrieanlagen kann eine Abnahmestelle jedoch auch aus mehreren Zählpunkten bestehen, beispielsweise wenn verschiedene Verbrauchsbereiche getrennt erfasst werden.

Worin unterscheidet sich die Abnahmestelle von Netzanschluss und Marktlokation?
Während Abnahmestelle und Netzanschluss die technische Ebene betreffen, ist die Marktlokation Teil der marktlichen und prozessualen Ebene. In der Praxis können diese Ebenen zusammenfallen, rechtlich und systemisch bleiben sie jedoch voneinander getrennt.
Im Alltag werden diese Begriffe jedoch häufig synonym verwendet. Für das Verständnis der Marktprozesse ist eine klare Abgrenzung jedoch entscheidend:
- Die Abnahmestelle beschreibt den physischen Ort, an dem Energie entnommen wird.
- Der Netzanschluss bezeichnet die technische Verbindung zwischen dem Versorgungsnetz und der Kundenanalage.
- Die Marktlokation (MaLo) ist die marktliche Einheit für die Abwicklung von Lieferverträgen und Abrechnung.
Welche Rolle spielt die Abnahmestelle bei Messung und Abrechnung?
Eine zentrale Funktion der Abnahmestelle ist die messtechnische Erfassung der entnommenen Energiemengen. Hierzu wird ein geeigneter, geeichter Zähler eingesetzt. Zum Beispiel:
- Stromzähler als moderne Messeinrichtung (SLP oder RLM) oder als intelligentes Messsystem (iMSys)
- Gaszähler in Haushalten, Gewerbe- und Industriebetrieben
- Wärmemengenzähler bei Fernwärme oder zentralen Heizungsanlagen
- Wasserzähler in der Trink- und Brauchwasserversorgung
Der Zähler misst den Energieverbrauch in definierten Zeitintervallen. Die Ablesung kann manuell vor Ort, durch Selbstablesung oder automatisiert über Kommunikationsmodule erfolgen. Die Messwerte werden an den Messstellenbetreiber übermittelt und anschließend an Netzbetreiber und Energielieferant weitergegeben.
Auf Basis dieser Daten erfolgen unter anderem:
- Die Abrechnung von Energielieferverträgen
- Die Berechnung von Netznutzungsentgelten
- Die Erstellung von Lastprofilen
- Der Bilanzkreisabgleich
Mit der zunehmenden Verbreitung intelligenter Messsysteme gewinnt die zeitlich hoch aufgelöste Messung an Abnahmestellen an Bedeutung. Sie ermöglicht verbrauchsabhängige Tarife, netzorientierte Steuerungsansätze sowie die bessere Integration dezentraler Erzeugungsanlagen wie Photovoltaik oder Blockheizkraftwerke.
Wo kommen Abnahmestellen typischerweise vor?
Abnahmestellen finden sich in allen Bereichen der Energieversorgung, unter anderem:
- Wohngebäude mit einem Stromzähler für Haushaltsstrom und einem Gaszähler für Heizung und Warmwasser
- Gewerbebetriebe mit getrennten Abnahmestellen für Produktion, Verwaltung und Nebenanlagen
- Industrieanlagen mit mehreren Abnahmestellen auf unterschiedlichen Spannungsebenen oder für einzelne Betriebsteile
- Ladeinfrastruktur für Elektromobilität, bei der der Ladeverbrauch über eigene Abnahmestellen erfasst wird
- Gebäude mit Fernwärmeanschluss, bei denen die Abnahmestelle an der Übergabestation liegt
Je nach Aufbau der Kundenanlage können an einem Netzanschluss mehrere Abnahmestellen bestehen, etwa in Mehrparteienhäusern, gemischt genutzten Gebäuden oder auf Industrie- und Gewerbearealen mit verschiedenen Nutzern und Erzeugungsanlagen.