In der letzten Folge haben wir bereits über Nachhaltigkeit gesprochen.
Diesen Faden greifen wir heute wieder auf und beschäftigen uns mit
Stromabnahmeverträgen – den sogenannten Power Purchase Agreements (PPAs). Wir wollen herausfinden, was hinter PPAs steckt, wie sie die Energiewende vorantreiben und welche zentrale Rolle sie in der nachhaltigen Energieversorgung bereits heute einnehmen.
Wie funktionieren diese Verträge genau und welche Verbindung besteht zu e.optimum?
PPAs spielen eine wichtige Rolle in der nachhaltigen Energieversorgung und
haben in den letzten Jahren enorm an Relevanz gewonnen.
Was genau sind Power Purchase Agreements und weshalb sind sie für die e.optimum mittlerweile so wichtig geworden sind?
Ganz kurz zur Definition: Power Purchase Agreements sind wortwörtlich übersetzt Direkt-Stromlieferverträge. Im Endeffekt meint das den Bezug von Energie direkt vom Erzeuger.
Schon fast ein bisschen ähnlich wie Eier direkt vom Bauernhof, kaufen wir mittlerweile die Energie direkt vom Erzeuger oder von dessen Direktvermarkter.
Der Unterschied zur klassischen Beschaffung ist, dass wir bei PPAs genau wissen, wo die Energie erzeugt wurde und aus welcher Energiequelle sie stammt. Bei der klassischen Beschaffung kauft man üblicherweise sogenannten Graustrom, dessen Herkunft unklar ist. Um daraus Grünstrom zu machen, braucht man Herkunftsnachweise.
Das ist bei unseren PPAs nicht der Fall, weil wir den Standort von Windenergieanlagen und PV-Freiflächenanlagen genau kennen.
Zu unseren jüngsten Entwicklungen bei e.optimum: wir beschäftigen uns seit gut zwei Jahren mit dem Thema. Ein Grund ist der Auslauf der erneuerbaren Förderung: Klassische erneuerbare Anlagen werden 20 Jahre subventioniert. Danach müssen sie sich selbstständig um die Vermarktung kümmern. Viele Anlagen fallen jetzt aus dieser Förderung und brauchen neue Lösungen. Hier kommen wir ins Spiel: Mit unserem Absatzportfolio spiegeln wir ein relativ flexibles Verbrauchsverhalten wider und haben die Möglichkeit, zusätzliche Energiemengen aufzunehmen. Und ganz spezifisch, wir haben es jetzt in den letzten eineinhalb Jahren geschafft, fünf oder sechs große Verträge abzuschließen mit einem Jahresvolumen von rund 300 Gigawattstunden. Das entspricht in etwa einem Anteil von 10 % unseres gesamten Absatzportfolios.
Mit welchen Unternehmen hat e.optimum in den vergangenen Monaten PPAs abgeschlossen?
Es sind keine Geheimnisse – wir haben die Presse bereits informiert. Wir konnten drei relativ große Verträge abschließen:
- GETEC Energie, das ist eine Tochter der BP
- Quadra Energy, eine Tochtergesellschaft von TotalEnergies
- Danske Commodities, eine Tochtergesellschaft des norwegischen Mineralölunternehmens Equinor
Das Volumen dieser Verträge umfasst rund 310 Millionen Kilowattstunden, was etwa 10% unseres Portfolios entspricht und den Gegenwert von rund 87.000 privaten Hausen widerspiegelt.
Allein die Tatsache, dass gerade „Big Oil“ in Erneuerbare Energien investiert, zeigt die Dringlichkeit und die Wichtigkeit der Energiewende, die wir mit diesen Verträgen aktiv unterstützen.
In welche erneuerbaren Energien investieren diese Verträge?
Die drei Verträge, die wir abgeschlossen haben, sind allesamt Wind-Onshore-Projekte in Deutschland. Wir haben uns bewusst für Onshore und nicht Offshore entschieden. Außerdem haben wir uns für eine Diversifizierung der Standorte entschieden.
Das bedeutet: Alle Windenergieanlagen in diesen drei Verträgen sind über das gesamte Bundesgebiet verteilt. Das hat damit zu tun, dass wir Risiken diversifizieren wollen. Wenn irgendwo eine Windflaute ist, sind wir nicht mit allen Anlagen betroffen – zumal wir in diesen Zeiträumen ohnehin Strom günstig am Spotmarkt beschaffen.
Somit haben wir unsere Lieferantenstruktur und die Standortstruktur bewusst diversifiziert und profitieren davon.
Warum hat sich e.optimum für Windenergie entschieden?
Das hat einen anderen Hintergrund – eher einen preislichen Background.
Heute haben wir warmes Wetter, 30 Grad, blauer Himmel, die Sonne scheint. Jeder weiß:
Die Sonne scheint überwiegend im Sommer, im Q2 und Q3 und das auch relativ gesichert.
Im Sommer nutzen wir oft Spot-Lieferverträge, bei denen wir die Herkunft nicht kennen. Mit den Winddeals haben wir aber eine Absicherung in den tendenziell preissensibleren Quartalen Q1 und Q4.
Das Besondere beim Wind im Vergleich zu PV ist die Tatsache:
- Wind bläst im Zweifel zwischen 0 und 24 Uhr
- Sonne scheint im Sommer zwischen 6 und 19 Uhr. Wenn die Sonne untergeht, gibt es keinen PV-Strom
Das ist bei Wind eben nicht der Fall. Das sind die Motive dahinter.
Welche Vorteile ergeben sich daraus für eure Kundinnen und Kunden?
Berechtigte Frage. Also neben den vorgenannten Vorteilen gibt’s tatsächlich noch weitere:
Erster Punkt: Nachhaltigkeit.
Der Strom, den wir über diese kompletten Windenergie- und PV-Anlagen beziehen, verdrängt automatisch sogenannten Graustrom. Alles, wofür wir uns bilateral direkt entscheiden, kaufen wir nicht mehr als graue Strommenge ein und verdrängen somit automatisch den fossilen Teil der Energieerzeugung.
Zweiter Punkt: Preisvorteile.
Aufgrund der Flexibilität unseres Absatzportfolios bekommen wir Rabatte auf den Preis für die Energie. Das hängt damit zusammen, dass erneuerbare Energien nicht wirklich super prognostizierbar sind – ob morgen die Sonne scheint oder der Wind weht, weiß man nicht mit großem Für die Bereitschaft, fluktuierende Energieerzeugung zu übernehmen, erhalten wir einen preislichen Rabatt. Der kann bei Wind 18 bis 20% betragen.
Der Preis ist in solchen Verträgen fix, die Menge natürlich nicht. Und genau dafür gibt es diesen preislichen Rabatt.
Dritter Punkt: Einfachheit für Industriekunden.
Ich hatte jüngsten ein Gespräch mit einem größeren Industriekunden. Typischerweise ist es für Industriekunden relativ komplex, PPAs einzubinden, weil sie bereits einen Liefervertrag mit ihrem normalen Energieversorger haben. Wenn jetzt eine PPA-Menge dazukommt, die nicht vom Versorger stammt, gibt es einen dritten in der Kette. Dann muss man sicherstellen, dass die PPA-Menge über den normalen Versorger bereitgestellt wird oder es kommt zu einer sogenannten Drittstrombelieferung, was relativ komplex ist.
Indem wir diese großen Verträge bündeln, schließen wir die Verträge direkt mit den Versorgern ab. Der Verbraucher hat damit gar nichts zu tun. Er partizipiert automatisch: Um nochmals auf die 300 GWh zurückzukommen – da wir diese beschaffen, profitieren alle Kundinnen und Kunden bei unseren 3 TWh automatisch von 10 % unserer PPA-Mengen, ob sie wollen oder nicht.
Wie spielt ihr denn die Mengen aus?
Im Endeffekt: Dadurch, dass wir 300 GWh aus 3 TWh liefern, bekommen alle Kundinnen und Kunden automatisch die 10% geliefert.
Physikalisch lässt sich diese Strommenge ja nicht drehen. Das heißt: Wenn du einen Stecker in die Steckdose steckst, kommt da trotzdem erstmal nur Strom raus. Aber den Preisvorteil, den bekommen alle Kundinnen und Kunden.
Unser Monatspreis ist ein variables Modell. Er setzt sich zusammen aus verschiedensten Beschaffungen – also unterschiedlichen Kostenstrukturen und dem gesamten Monatsverbrauch. Durch die billigeren Mengen drücken wir unsere Beschaffungskosten. Davon partizipieren die Kundinnen und Kunden automatisch – etwas, was sie individuell wahrscheinlich nie so ausgehandelt bekämen.
Und was noch dazu kommt: Die PPAs, die wir haben, sind nicht automatisch Ökostrom oder Grünstrom. Wir könnten zur Energie auch die Herkunftsnachweise dazukaufen. Die Entscheidung, ob Kundinnen und Kunden Ökostrom haben möchten oder nicht, der einfach etwas mehr kostet, die überlassen wir nach wie vor ihnen selbst.
Das heißt: Die Energie kommt aus erneuerbarer Quelle, ist aber nicht automatisch gleichzusetzen mit Ökostrom. Diese Entscheidung tragen bei uns die Kundinnen und Kunden selbst.
Wie setzt sich der Preis zusammen und wie kommt er zustande?
Da du schon langjährige e.optimum Kundin bist, weißt du, dass wir früher relativ Spotmarkt-affin waren. Das heißt, die gesamte Monatsmenge haben wir früher nahezu komplett am Spotmarkt beschafft. Dann gab es Marktverwerfung und wir haben uns mit dem Thema Terminmarkt auseinandergesetzt. Danach haben wir auch Terminmarktprodukte reingelegt, um das Preisniveau abzusichern.
Mittlerweile sieht es so aus: Wenn wir uns den nächsten Monat anschauen, dann habe ich 100% Nachfrage. Früher war es so, dass wir 50 % am Spotmarkt beschafft haben und 50 % am Terminmarkt. Heute kann man ungefähr sagen:
- Ein Drittel Spotmarktbezug
- Ein Drittel Terminmarktbezug
- Ein Drittel PPA-Liefermenge
Die PPA-Liefermenge ist so eine Art Zwitter aus Spot- und Terminmarkt. Wie ich bereits gesagt habe: Der Preis beim PPA ist üblicherweise fix, die Menge aber unsicher.
Ich weiß im normalen Marktumfeld – also keine
Dunkelflaute, aber auch kein Sturm –, dass etwa 70 % der prognostizierten Menge immer da sind. Ich habe also eine gewisse Unschärfe und Unsicherheit, aber die ist beherrschbar.
Somit habe ich eine relevante Menge zu einem relativ niedrigen Preis und der Preis bewegt sich üblicherweise zwischen Spotmarktniveau und Terminmarktniveau.
Und zusätzlich ist die gesamte Menge abgesichert, mit dem Wissen, dass sie aus erneuerbarer Quelle kommt.
PPAs sind tatsächlich die Sahne auf der Kirschtorte, wenn man das so bildlich ausdrücken möchte.
Wie war die Resonanz der e.optimum Kundinnen und Kunden zu den PPAs?
Ausnahmslos positiv – wenig überraschend. Die Kundinnen und Kunden müssen nichts zusätzlich machen. Sie bekommen das automatisch geliefert. Insofern ausnahmslos positiv, auch aus unseren eigenen vertrieblichen Reihen hören wir dieses positive Feedback.
Was auch interessant ist, um die Wichtigkeit des Themas noch einmal zu unterstreichen:
Hier in der Region sind drei Projekte bekannt von Industriebetrieben, die sich tatsächlich selbst Windräder auf das eigene Firmenareal stellen.
Das hat mehrere Motivationen:
- Grüne Energie haben wollen
- Unabhängigkeit vom Markt (Stichwort Energiekrise)
- Und ganz wichtig: Netznutzungsentgelte sparen
Denn wie bei der PV-Anlage auf dem Dach: Wenn ich das Windrad im Hof stehen habe, kann ich den Strom per Leitung direkt zu den Verbraucherinnen und Verbraucher leiten. Das heißt, ich gehe mit meinem Strom gar nicht erst ins Netz rein und beziehe ihn dann wieder übers Netz.
Gibt es auch Vorteile für die e.optimum?
Ich hatte vorher von unseren Partnern gesprochen, mit denen wir diese drei Deals abgeschlossen haben. Das sind tatsächlich drei für uns relativ neue Partner, mit denen wir vorher nicht gehandelt haben – weder am Spot- noch am Terminmarkt.
Was ganz interessant war: Nach der Veröffentlichung des ersten Presseberichts wurden wir direkt kontaktiert von einem unserer neuen Partner. Den Partner, den wir im Bereich PV-Freifläche an Bord haben, ist tatsächlich Bestandskunde. Also insofern dreht sich das gerade um.
Wir haben als e.optimum genauso ein Vorteil wie unsere Kundinnen und Kunden, weil wir neue Lieferanten für uns aufbauen, mit denen wir früher keine Berührungspunkte hatten. Damit können wir natürlich die Börse und die klassischen Vorlieferanten umgehen – wobei
ich die jetzt gar nicht schlecht reden möchte. Mit denen arbeiten wir ja nach wie vor anderweitig zusammen.
Habt ihr noch weitere Pläne im PPA-Bereich?
Also wir stehen jetzt kurz vor einer Angebotseinholung von zwei weiteren PPAs – fürs Lieferjahr 2025 haben wir im Prinzip das beschafft, was wir uns vorgenommen haben.
Für 2026 haben wir aber noch offene Mengen. Wir hoffen auch, dass uns der Vertrieb noch mit neuen Kundinnen und Kunden versorgt, sodass unsere gesamte Liefermenge noch steigt.
Wir schauen uns weiterhin das Thema Wind Onshore an – nach wie vor aus den bekannten Motiven. Es könnte aber auch sein, dass wir mit einem der Partner so eine Art Tandem machen:
- Für Q1 und Q4 greifen wir auf das Wind-PPA zurück
- Für den Sommer nehmen wir ein PV-Freiflächen-Angebot
Das heißt: Durch die günstige Energiemenge aus PV kann ich meinen Windanteil noch einmal drücken. Und ich habe eine relativ zuverlässige Lieferung, die ich bei Wind nur bedingt habe und bei Sonne eben auch nur bedingt, weil die Sonne nur zwischen 6 und 19 Uhr scheint.







