Wasserstoff – Hoffnungsträger der Energiewende und Diskussionspunkt in der Bundestagswahl 2021

„Wir müssen heute die Weichen dafür stellen, dass Deutschland bei Wasserstofftechnologien die Nummer 1 in der Welt wird.“
– Peter Altmaier, Bundesminister für Wirtschaft und Energie (Quelle: BMWi – www.bmwi.de)

Deutschland arbeitet bereits aktiv am Vorantreiben der Energiewende durch den Ausbau erneuerbarer Energien – besonders als Alternative zu fossilen Energieträgern. Laut dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) wird Wasserstoff dabei zukünftig eine wichtige Schlüsselrolle einnehmen. Dieser ist nämlich vielfältig einsetzbar und kann klimafreundlich hergestellt werden – ein wahrer Pluspunkt, denn so können CO₂-Emissionen genau in den Sektoren reduziert werden, die nicht elektrifizierbar sind. Hier stellt der Einsatz von Wasserstoff also eine Chance zum schnelleren Vorantreiben der Energiewende in Bereichen dar, die anderweitig nicht entkarbonisiert werden können – wie z.B. die Luftfahrt oder die Stahlindustrie.

Was ist Wasserstoff eigentlich?

Wasserstoff ist ein Gas und fast ausschließlich in chemischen Verbindungen zu finden, z.B. Wasser, Säuren und Kohlenwasserstoffen. Gewonnen wird Wasserstoff aus der Aufspaltung von Wasser in Sauerstoff und Wasserstoff – hierzu benötigt es allerdings immens viel Energie. Die Lösung könnte sein, genau das mit elektrischem Strom aus erneuerbaren Energien wie Wind und Sonne zu bewerkstelligen, wenn diese im Überfluss vorhanden sind – hier spricht man dann von Elektrolyse. Als Endprodukt erhält man sogenannten „grünen Wasserstoff“. Ein wichtiger und großer Vorteil von Wasserstoff ist seine hohe Energiedichte sowie Lagerfähigkeit, wodurch eine größere Flexibilität in der Energieversorgung ermöglicht werden kann.

Nationale Wasserstoffstrategie

Innovative Wasserstofftechnologien bieten neben einer großen Chance für die Energiewende laut BMWi auch zahlreiche wertvolle Arbeitsplätze, neue Wertschöpfungspotenziale und einen globalen Milliardenmarkt. Deutsche Unternehmen sind in diesem Bereich bereits sehr gut aufgestellt – beispielsweise bei der zuvor genannten „grünen“ Wasserstofferzeugung. Deutschland will diese globale Vorreiterrolle weiterhin beibehalten und aus diesem Grund rief die Bundesregierung am 10. Juni 2020 die nationale Wasserstoffstrategie ins Leben. Diese unterliegt einem Aktionsplan, der stetig weiterentwickelt wird. Die Strategie verfolgt in erster Linie das Ziel, klimafreundlich hergestellten Wasserstoff als Schlüsselelement der Energiewende zu etablieren und somit den Prozess zur CO₂-Reduzierung in den bisher fehlenden Bereichen abzuschließen. Um das erreichen zu können, sollen inländische Märkte für die Erzeugung und Verwendung von Wasserstoff geschaffen werden. Besonders Bereiche, die bereits für Wasserstoff wirtschaftlich sein könnten, liegen im Fokus.

Wasserstoff und die Bundestagswahl 2021

Die Bundestagswahlen 2021 sorgten für viel Diskussionsstoff in einigen Themenbereichen – ganz vorne mit dabei das Thema Wasserstoff und erneuerbare Energien. Was sagen eigentlich unsere deutschen Politiker*innen dazu? Interessant zu beobachten ist, dass alle sechs Bundestagsparteien in ihren aktuellen Wahlprogrammen gezielt den Punkt „Wasserstoff“ aufführen – das unterstreicht bereits, wie hochaktuell und präsent diese Thematik ist. Wie genau sich der Wahlgewinner die SPD sowie die zweit- und drittplatzierten CDU und CSU und die Grünen positionieren, geben die Parteiprogramme wieder:

Die SPD setzt auf Wasserstoff als Alternative für alle Sektoren, in denen eine direkte Elektrifizierung nicht sinnvoll oder nicht wirtschaftlich ist. Der Standpunkt der SPD lautet: „Ohne sauberen Wasserstoff in großindustriell hergestelltem Maßstab ist Klimaneutralität nicht zu erreichen“.

Die Union aus CDU und CSU hat eigenen Angaben zufolge das Ziel vor Augen, „Deutschland zum Wasserstoff-Land Nr. 1“ zu machen. Der stellvertretende wirtschafts- und energiepolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Andreas Lämmel sagt hierzu: „Die Nutzung von Wasserstoff ist ein unverzichtbarer Teil der Energiewende. […] Als Unionsfraktion stehen wir dafür, die Umsetzung der nationalen Wasserstoffstrategie in den kommenden Jahren mit Hochdruck voranzutreiben.“

Die Grünen legen großen Wert auf eine zukünftige Klimaneutralität der deutschen Energieinfrastruktur. Das soll laut Parteiprogramm überwiegend durch den Ersatz von fossilen Energieträgern durch erneuerbare Energien bzw. nachwachsenden Rohstoffen und unter anderem mithilfe einer grünen Wasserstoffstrategie umgesetzt werden.

Ist Wasserstoff wirklich zukunftsfähig?

Trotz derzeit hoher Kosten und der noch relativ unerprobten Nutzung, bietet Wasserstoff die große Chance, unterstützend neben elektrifizierenden Prozessen, dazu beizutragen, die fossilen Brennstoffe bis spätestens 2050 komplett zu ersetzen. Das ist aber nur wirklich dann zukunftsfähig und effektiv für den Klima- und Umweltschutz, wenn Wasserstoff auf Basis von erneuerbaren Energien entsteht. Hierzu muss unbedingt noch weiter global und national in den Ausbau von erneuerbare Energien-Anlagen investiert werden. Der Großteil der deutschen Politiker hat das bereits erkannt – ein wichtiger Schritt in eine nachhaltige Zukunft.

Gut zu wissen: Zahlen und Fakten zu Wasserstoff

  • 5,4 Millionen Arbeitsplätze in der Wasserstoff-Industrie bis 2050 in Europa (Prognose)
  • 800 Milliarden Euro Jahresumsatz bis 2050 in Europa (Prognose)
  • 100 Millionen Euro Fördermittel jährlich für Reallabore der Energiewende bis 2022
  • 600 Milliarden Kubikmeter Wasserstoff werden jährlich weltweit verbraucht, davon 99 Prozent in Industrie

(Quelle: BMWi)

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