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Yasemin Lâle, Geschäftsführerin von purePepper Media & Sales, und Boris Käser, Vorstandsvorsitzender der e.optimum AG

Energie-Talk | Nachhaltigkeit im Gespräch bei e.optimum

Heute sprechen wir über ein Thema, das nicht nur für unsere Gesellschaft von zentraler Bedeutung ist, sondern auch für Unternehmen, die eine nachhaltige Zukunft gestalten wollen. Doch wie sieht Nachhaltigkeit in der Praxis aus, besonders im Unternehmenskontext? Welche Schritte sind notwendig, um ökologische Verantwortung in alle Geschäftsbereiche zu integrieren, und welche Herausforderungen gilt es dabei zu bewältigen?

Man merkt, dass Nachhaltigkeit bei euch ein großes Thema ist. Kannst du uns einen Überblick geben, was ihr im Unternehmen bereits umsetzt?

Wie du schon gesagt hast, ist das Thema Nachhaltigkeit derzeit in aller Munde. Wir versuchen, dieses Thema bei uns im Unternehmen möglichst breit aufzustellen. Besonders schön ist es natürlich, wenn sich Nachhaltigkeit auch wirtschaftlich darstellen lässt – etwa durch Kosteneinsparungen oder attraktive Renditen bei erneuerbaren Projekten.

Bei euch beginnt Nachhaltigkeit ja schon bei der Einkaufsstrategie, richtig?

Absolut. Wir beschaffen einen Großteil unserer Energie über den kurzfristigen Spotmarkt – also den Handelsplatz, an dem überwiegend Energie aus erneuerbaren Quellen wie Photovoltaik, Wind, Biomasse und Wasserkraft vermarktet wird. Das machen wir schon seit 15 Jahren, lange bevor Nachhaltigkeit ein Trendthema war. So fördern wir automatisch die Erzeugung erneuerbarer Energie.

Das heißt, der Strom, der bei e.optimum aus der Steckdose kommt, ist grün?

Ganz so einfach ist das nicht. Wenn Kundinnen und Kunden heute Ökostrom beziehen möchten, gibt es das physikalische Dilemma, dass sich der Strom aus der Steckdose nicht zwischen Ökostrom und Graustrom unterscheiden lässt. Wird der Strom bis in die Steckdose transportiert, kommt erstmal Graustrom dort an. Erst durch sogenannte Herkunftsnachweise, die wir im Auftrag der Kundinnen und Kunden beschaffen, wird der Strom bilanziell zu Ökostrom.

Ihr bietet solche Tarife ja schon länger an. Welche Vorteile haben denn die Kundinnen und Kunden dabei – können sie zwischen Grau- und Grünstrom wählen?

Ja, die Kundinnen und Kunden entscheiden selbst, welche Art von Strom sie beziehen möchten. Standardmäßig erhalten sie Graustrom. Wenn sie sich für Ökostrom entscheiden, beschaffen wir Herkunftsnachweise – eine gängige, aber in letzter Zeit auch kritisch betrachtete Praxis, Stichwort Greenwashing.

Wir haben das Thema für uns hinterfragt und entschieden, dass Ökostrom allein nicht ausreicht. Deshalb haben wir seit November 2023 eine Alternative im Angebot: e.optimum clean energy. Der Unterschied: Der freiwillige Betrag, den die Kundinnen und Kunden zahlen, fließt bei uns nicht in Herkunftsnachweise, sondern in einen Treuhandtopf, mit dem wir den Ausbau erneuerbarer Energien direkt unterstützen.

Dieses Modell gibt es vereinzelt schon, aber wir haben es auf unsere Weise umgesetzt. Wer sich an die Energiekrise erinnert, weiß, dass damals nicht nur die Energiepreise, sondern auch die Preise für Herkunftsnachweise stark gestiegen sind – vor allem, weil viele davon aus skandinavischen Wasserkraftwerken stammen. Als dort weniger Strom erzeugt wurde, entstanden auch weniger Nachweise – und die Preise gingen nach oben.

Man kann also sagen: Wer nur Ökostrom bezieht, fördert damit eher den Ausbau in Skandinavien – aber nicht unbedingt in Deutschland.

Euer Projekt konzentriert sich aber auf Deutschland, richtig?

Genau. Unser Fokus liegt auf nationalen Projekten. Wir haben mit einem regionalen Projekt gestartet – gemeinsam mit der Ökostromgruppe Freiburg. Seit 2024 sind wir Minderheitsgesellschafter der Windpark Bildstock GmbH. Ab Frühjahr 2026 werden dort zwei Windkraftanlagen im Südschwarzwald Strom erzeugen – etwa 25 bis 30 Millionen Kilowattstunden pro Jahr, der dann dementsprechend fossile Erzeugung verdrängen wird.

Windkraft stößt ja nicht immer auf positives Feedback. Was entgegnest du Kritikern. Stichwort: Flächenfraß und Vogelsterben?

Natürlich muss sich jeder seine eigene Meinung bilden. Die Verspargelung der Landschaft durch viele Windräder kann man nicht schönreden. Aber man sollte sich auch fragen: Ist ein Kohle- oder Atomkraftwerk schöner? Wahrscheinlich nicht.

Das gleiche gilt für die Überlandleitung. Das gibt es die Diskussion, ob man diese in der Erde unterbringt, was natürlich ein kostenmäßig viel größerer Effekt ist.

Das Thema Vogeltod ist berechtigt, aber es sterben deutlich mehr Vögel durch Autoverkehr oder Glasscheiben.

Und was den Flächenverbrauch betrifft: Zwei Windräder benötigen etwa zwei Hektar Fläche. Um dieselbe Strommenge mit einer Freiflächen-Photovoltaikanlage zu erzeugen, bräuchte man etwa 30 Hektar.

Da Deutschland sich entschieden hat, von fossilen und nuklearen Energien wegzugehen, bleibt uns langfristig ohnehin keine andere Wahl. Übrigens: Alle erneuerbaren Anlagen in Deutschland zusammen benötigen weniger Fläche als alle Golfplätze des Landes.

Profitieren auch die Bürgerinnen und Bürger vor Ort von eurem Projekt?

Ja. Die Bürgerinnen und Bürger können sich in einer Energiegenossenschaft zusammenschließen und über Nachrangdarlehen an der Finanzierung beteiligen. Diese werfen meist etwas höhere Zinsen ab als klassische Beteiligungen.

Plant ihr noch weitere Projekte?

Ja, wir fokussieren uns derzeit stark auf Windenergie. Photovoltaik ist ebenfalls ein großes Thema, aber in Deutschland haben wir zeitweise Überproduktion – etwa an sonnigen, windigen Tagen. Das führt zu negativen Strompreisen. Unser e.optimum-Modell erlaubt es, davon zu profitieren: Wenn der Preis negativ ist, erhalten unsere Kundinnen und Kunden sogar Geld zurück.

Ihr habt die e.optimum Renewable GmbH gegründet. Was steckt dahinter?

Die e.optimum Renewable GmbH wurde im Januar 2025 gegründet und ist eine 100%-Tochter der e.optimum AG. Alle Kundinnen und Kunden, die sich für unseren clean energy-Tarif entscheiden, zahlen freiwillig einen Zusatzbetrag. Diese Mittel führen wir regelmäßig an die e.optimum Renewable ab.

Dort bündeln wir alle Projekte – etwa unsere Beteiligung am Windpark Bildstock, aber auch künftige Vorhaben wie eine geplante PV-Anlage in der Region. Die Gesellschaft reinvestiert alle Rückflüsse, also Ausschüttungen und Einspeisevergütungen, direkt wieder in neue Projekte. So entsteht eine Art „e.optimun renewable Perpetuum mobile“ der Nachhaltigkeit.

Was macht ihr bei e.optimum intern – also direkt im Unternehmen selbst?

Schon 2019 haben wir eine Arbeitsgruppe gegründet, die sich um Nachhaltigkeit im Unternehmen kümmert. Zwei unserer drei Gebäude sind mit PV-Anlagen ausgestattet, wir nutzen Wärmepumpen und stellen unseren Fuhrpark schrittweise auf Hybrid- und Elektrofahrzeuge um.

Außerdem haben unsere Auszubildenden eine Weiterbildung zum Energiescout absolviert. Sie hinterfragen im Alltag, wo Energie eingespart werden kann – Licht, Geräte, Monitore.

Also setzt ihr Nachhaltigkeit nicht nur in euren Produkten, sondern auch intern konsequent um?

Ja, ich würde sagen, es ist Teil unserer DNA. Aber wir tun es dort, wo es Sinn macht – nicht um des Themas willen, sondern wo sich Nachhaltigkeit wirtschaftlich und ökologisch sinnvoll vereinen lässt.

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