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Energie-Talk | Dynamische Tarife: Unsere smarte Alternative

Ab 2025 werden alle Energieversorger in Deutschland gesetzlich verpflichtet, dynamische Tarife für Kundinnen und Kunden mit intelligenten Messsystemen anzubieten.
Der Vorstandsvorsitzende der e.optimum AG Boris Käser wird im heutigen Interview über dieses komplexe Thema ausführlich sprechen und Fragen beantworten.

Was sind dynamische Tarife und warum sie so wichtig sind in der Energiewirtschaft?

Dynamische Tarife sind eine Form von speziellen Energielieferverträgen. Der Gesetzgeber definiert einen dynamischen Tarif als einen Stromliefervertrag, der die Preisvorteile des Spotmarktes widerspiegelt.

Kannst du uns noch ein bisschen was über den Spotmarkt erklären?

Der Spotmarkt ist der Energiehandelsplatz, an dem üblicherweise die Strommengen aus erneuerbarer Energieerzeugung – also beispielsweise Photovoltaik oder Wind – vermarktet werden. Das hängt damit zusammen, dass diese Erzeugungsformen wetterabhängig und daher schwer vorhersehbar sind.
Die Handelsmengen werden deshalb „heute für morgen“ gehandelt. Die Preisfindung erfolgt in der Regel gegen 13 Uhr, und um 13 Uhr werden dann die Preise für den Folgetag zwischen 0 und 24 Uhr veröffentlicht.

Ganz einfach gesagt: Wenn der Wind weht und die Sonne scheint, haben wir in der Regel sehr günstige Spotmarktpreise.

Und welche Vorteile bieten sich dadurch für den Verbraucher?

Während der klassische Terminmarktpreis üblicherweise für viele Monate oder Jahre festgeschrieben wird, haben Verbraucherinnen und Verbraucher mit dynamischen Tarifen die Möglichkeit, von Preisschwankungen am Spotmarkt zu profitieren. Das war bisher nicht der Fall.

Die Bundesregierung sieht diesbezüglich eine Neuerung vor. Wie genau sieht diese Neuerung aus?

Es gibt bereits eine Vorgabe, die Versorger mit mehr als 100.000 Zählern verpflichtet, dynamische Tarife anzubieten. Ab dem 1. Januar 2025 wird diese Verpflichtung jedoch für alle Energieversorger gelten – unabhängig von der Anzahl der Zähler.

Das heißt: Auch kleine Stadtwerke und Gemeindewerke in ganz Deutschland müssen dann dynamische Tarife anbieten.
Zusätzlich wird es dynamische Netzentgelte geben.

Was ist denn der Grund für diese Neuerung?

Das oberste Ziel des Gesetzgebers ist, Kundinnen und Kunden durch Lastverschiebung zu ermöglichen, von günstigen Spotmarktpreisen zu profitieren und gleichzeitig die volkswirtschaftliche Verbrauchsstruktur zu flexibilisieren.
Man möchte vermeiden, dass Netze unnötig überdimensioniert ausgebaut werden müssen – das wäre extrem teuer.

Das bedeutet im Endeffekt, dass Unternehmen, die ihre Verbrauchszeiten steuern können, einen Vorteil haben?

Korrekt. Ich möchte dir dazu ein Beispiel geben:
Früher war es so, dass Verbraucherinnen und Verbraucher üblicherweise dann profitiert haben, wenn eine geringe Nachfrage am Energiemarkt bestand. Ein klassisches Beispiel ist eine Diskothek.
Die Diskothek verbraucht freitags und samstags zwischen 22 Uhr und 4 Uhr morgens besonders viel Energie. Das waren früher Zeitfenster, in denen Energie üblicherweise günstig war.
Mittlerweile hat sich das jedoch gedreht. Durch den starken Ausbau der erneuerbaren Energien haben wir heute auch werktags – und nicht nur am Wochenende – sehr günstige Stunden am Spotmarkt, insbesondere tagsüber rund um 14 Uhr.
Wenn ein Unternehmen es schafft, seinen Energieverbrauch aus teuren Zeitfenstern in diese günstigen Stunden zu verschieben, dann profitiert es direkt von den niedrigen Spotmarktpreisen.

Ich nehme wieder mein Beispiel aus dem letzten Interview: die Schokoladenfabrik.
Kann ich nicht steuern, wann ich produziere – habe ich mit einem dynamischen Tarif dann Nachteile?

Nicht unbedingt. Wenn die Schokoladenfabrik z. B. für Weihnachten produziert, dann mit mehreren Monaten Vorlauf – also im Sommer, wo wir durch Photovoltaik hohe Erzeugung haben. Da könnte das Unternehmen dann entscheiden, ob nachts oder tagsüber günstiger ist.

Wenn ich dann ein bisschen schieben würde als Unternehmerin, wäre das für mich positiv?

Dann wird der Nikolaus günstiger, genau.

Jetzt bietet ja auch die e.optimum einen dynamischen Tarif an. Was unterscheidet der dynamische Tarif von einem variablen Tarif?

Dynamische Tarife sind eine spezielle Form variabler Tarife. Es gibt aber noch andere Varianten, z. B. Lastvariable Tarife oder Zeitvariable Tarife wie HT/NT (Hoch- und Niedertarif).
Beim dynamischen Tarif werden Spotmarktpreise stündlich oder viertelstündlich abgerechnet. Es geht ausschließlich um den Energiepreis – nicht um Netzentgelte oder Konzessionsabgaben.

Gibt es Voraussetzungen für diesen Tarif?

Ja. Die Voraussetzung ist die richtige Messtechnik: ein intelligentes Messsystem (Smart Meter).
RLM-Zähler bei Großkunden erfüllen das schon. Jetzt werden auch Kunden mit 6.000–100.000 kWh Jahresverbrauch durch den Smart-Meter-Rollout ertüchtigt.
Wichtig ist: Der Verbrauch muss zeitgenau gemessen werden, weil Spotmarktpreise stündlich variieren.

Was sind die Vorteile – und auch Risiken?

  • Vorteil: Kunden können durch Verbrauchsverschiebung von günstigen Preisen profitieren.
  • Risiko: Volatilität. 2022 hatten Kunden mit reinem Spotmarkttarif extrem hohe Kosten. Der Spotmarkt reagiert sofort auf Krisen – z. B. Ukrainekrieg oder Energiedefizite bei Dunkelflauten.

Also kann der Tarif gut sein – aber nicht für jeden?

Genau. Für flexible Unternehmen sehr sinnvoll. Für nicht-flexible Kunden bieten wir deshalb zusätzlich „e-individual“ an:

  • 50 % Terminmarkt (preissicher)
  • 50 % Spotmarkt (Preisvorteile nutzen)

Ein strukturiertes Modell – quasi die Mischung aus Sicherheit und Marktchancen.

Das klingt wie ein gutes Sicherheitsnetz. Und Kunden nutzen das auch?

Ja. Viele Kundinnen und Kunden wechseln in diese strukturierte Beschaffung, weil sie Sicherheit möchten.
Wir sehen, dass unser Premiumtarif langfristig sogar günstiger ist als reiner Spotmarktbezug.

Warum geht die e.optimum damit einen anderen Weg als viele Anbieter?

Für uns ist das keine Revolution, sondern eine Evolution. Wir arbeiten seit 15 Jahren mit variablen Preismodellen. Viele Kundinnen und Kunden wünschen Sicherheit plus Flexibilität – und wir reagieren darauf.

Wie viele Kunden nutzen das?

Wir beliefern 100.000 Stromlieferverträge und alle sind in einem variablen Preismodell.

Für Zuschauer, die neu sind – kannst du kurz etwas zur e.optimum sagen?

Die e.optimum beliefert seit 15 Jahren überwiegend Gewerbe- und Industriekunden sowie einige Privatkunden – ausschließlich mit variablen und dynamischen Tarifmodellen.
Wir beliefern:

  • über 40.000 Kundinnen und Kunden
  • über 100.000 Zählpunkte
  • 3,5 Mrd. kWh pro Jahr deutschlandweit

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